Dienstag, 7. Juni 2016

Bremsen nicht vergessen – ein Selbstversuch im Rollstuhl





Eppendorfs Straßen im Eignungstest

Die Vorbereitungen für den barrierefreien Stadtteilführer Eppendorf haben begonnen. Das Faltbatt ist ein gemeinsames Projekt von MARTINIerLEBEN und der Gemeinde St. Martinus. Am Freitag, dem 27. Mai ist eine Gruppe Wagemutiger losgezogen, um im Selbstversuch und unter fachkundiger Anleitung den Stadtteil auf seine Rollstuhltauglichkeit zu testen. Insgesamt machten sich an diesem Morgen folgende Testpesonen auf den Weg: zwei Erwachsene im Elektrorollstuhl, zwei Jugendliche, die dieses Jahr konfirmiert wurden, ein Jugendgruppenleiter von St. Martinus und vier fußläufige Erwachsene, darunter Elisabeth Kammer und Pastor Uli Thomas, die dieses Projekt leiten.

Herauf mit Muskelkraft
 

Hohe Bordsteinkanten, Steigungen oder verengte Gehwege durch parkende Autos - es galt, am eigenen Leib zu erfahren, mit welchen Hindernissen und Unwägbarkeiten Rollstuhlfahrende im Straßenverkehr zu kämpfen haben. Für das nötige Versuchsequipment in Form von drei Aktiv-Rollstühlen sorgte das Elim Seniorenzentrum und auch das Wetter bot günstige Bedingungen für dieses Experiment.



Nach der Verteilung der Fahrgeräte ging es vom Gemeindezentrum St. Martinus aus über die Ampel in der Tarpenbekstraße in die Martinistraße weiter in Richtung Erikastraße. Nach einem kurzen Stück auf der Schubackstraße und einem Linksschwenk, musste der Haynspark überquert werden, wobei hier eine Steigung bis zum anderen Ende der Parkanlage zu bewältigen war. Anschließend belohnten sich die Testpersonen mit kühlen Getränken für ihre Ausdauer und Anstrengung.



Zwischendurch: nützliche Tipps
Eine der prägendsten Beobachtungen dieses Selbstversuchs war, dass Rollstuhlfahrende als Gruppe auf die fußläufigen Passanten einen enormen Eindruck machen und sie neugierig werden lassen. Immer wieder blieben Menschen stehen und beobachteten die Kolonne. Die entgegen kommenden Fußgänger*innen wichen aus und machten den Weg frei. Als einer der Neu-Rollstuhlfahrenden immer wieder vergeblich versuchte, die Bordsteinkante zu überwinden, wurde er von einer Bekannten angesprochen, die sich entsetzt zeigte, ihn im Rollstuhl zu sehen. Bis auf die Hinz & Kunzt-Verkäuferin vor dem Penny-Markt kam ihm aber niemand zur Hilfe.

Herausforderung Kante

 Die Testpersonen geben zu, dass es nicht so einfach war, den Rollstuhl in der Geraden zu halten, besonders bei Unebenheiten in der Fahrbahn driftete er schnell in eine Richtung ab. Selbst niedrige Kanten und Buckel zu überwinden, erwies sich als Herausforderung. Am schwierigsten war es, Bordsteinkanten vorwärts hochzukommen, ohne dass der Rollstuhl nach hinten kippt. Hier gab Erk Brodersen vom Projektteam barrierefreier Stadtteilführer immer wieder hilfreiche Tipps in Sachen Navigation. Bei der Steigung waren Muskelkraft und Ausdauer gefragt, um ein ständiges Zurückrollen zu verhindern. Und auch das Hinunterfahren sieht mitunter leichter aus, als es in Wirklichkeit ist. Hier lernten die Probanden, auf eine bestimmte Art abbremsen, um in der Spur zu bleiben. Zugeparkte Fußgängerwege und dicht an dicht geparkte Autos machen das Durchkommen oft unmöglich. 

Schon wieder eng

Es ist allen Teilnehmer*innen an dem Experiment sicher bewusst geworden, mit welchen Schwierigkeiten und Mühen die Aktiv-Rollstuhl Fahrenden konfrontiert sind, wenn sie sich im Straßenverkehr bewegen. Die noch immer häufig nicht barrierefrei gestalteten Zugänge zu vielen Gebäuden, Wohnungen und öffentlichen Verkehrsmitteln erschweren die Fortbewegung noch zusätzlich. 


Fröhlicher Ausklang im Café

Die Gruppe trifft sich am Freitag, den 10. Juni für einen weiteren Erkundungsgang wieder: diesmal testen sie Geschäfte, Dienstleister und Gastronomie auf Rampen und barrierefreie Zugänge.

Mögliche Sponsoren, die das Faltblatt für barrierefreies Einkaufen in Eppendorf mit einer Anzeige unterstützen wollen, können sich gern bei Elisabeth Kammer von MARTINIerLEBEN unter elisabeth.kammer@martinierleben.de oder der Telefonnummer 040-46 77 93 25 melden.


Dienstag, 24. Mai 2016

MARTINIerLEBEN - Ideen- und Planungswerkstatt 2016
Gut achtzig Menschen hatten sich am 23. April 2016 in der Bethanien-Kirche an der Martinistraße versammelt. „Flüchtlinge werden Nachbarn“, so hieß das Thema der diesjährigen Ideen- und Planungswerkstatt von MARTINIerLEBEN.

Gäste aus Kirchdorf-Süd 
Barbara Kopf
Zum Einstieg berichtet Barbara Kopf aus Kirchdorf-Süd von ihren Erfahrungen in der Arbeit mit Geflüchteten. „Es ist Zufall“, sagt Barbara eingangs, „dass ich in Deutschland geboren bin“. Sie ist heute nicht allein nach Eppendorf gefahren, sondern in Begleitung von fünf Refugees. Auch drei ehrenamtliche Helfer*innen sind mit angereist. Kennengelernt hat man sich im Weltcafé, das jeden Dienstag in Kirchdorf-Süd von 15-17 Uhr geöffnet ist. Barbara: „ Alles Bekannte, einige inzwischen gute Freunde“. Mit zwei der Frauen wohnt sie jetzt zusammen. 50 000 Menschen leben in Wilhelmsburg. 3500 Refugees sind dazu gekommen – Libyer, Afghanen, Syrer. Viele ihrer Frauen sind noch in der Heimat. Ihre Unterstützer*innen versuchen, die neuen Nachbarn nicht als Fremde zu begreifen, sondern als Menschen wie Du und Ich. „Bei allen Überlegungen gilt“, sagt Barbara Kopf, „die Refugees einzubeziehen“. Was wollt Ihr? Was könnt Ihr? Jeder Helfende sollte Spaß und Freude bei der Arbeit haben. Wird es ihm zu viel, ist auch Zurückziehen erlaubt.

Die (Neu-) Ankömmlinge verfügen über vielfältige Fähigkeiten, die es zu erkennen gilt. Deshalb sollte jede*r Unterstützer*in sich immer fragen: „Was mache ich selbst gerne?“ So sind Tandems entstanden, in denen man gemeinsam den Stadtteil erkundet, gegessen oder ein Museum besucht hat. Auch Arztbesuche stehen auf dem Programm, in denen Unterstützer*innen ihre Englischkenntnisse verbessern können.

Refugees zu Besuch
Darüber hinaus gibt es eine Handarbeitsgruppe, Unterstützung bei Behördengängen, eine Stadtteilkarte für Refugees, Sprachkurse und Musikseminare für Einheimische und Flüchtlinge. Weitere Angebote sollen folgen. So fehlen derzeit Sprachkurse für Afghanen. Bei Ihrer Arbeit nutzen die Ehrenamtlichen die Netzwerke im Stadtteil. Auch „Die Insel hilft“ wird als guter Ansprechpartner erlebt. Geld ist offenbar kein Thema. So stellt die „Bürgerstiftung“ 1000 Euro für Projekte bereit. Unterstützung bietet ebenfalls die „Hamburgische Kulturstiftung“.
Barbara Kopf regt an, die Flüchtlinge und sie einmal dienstags in Kirchdorf-Süd zu besuchen. Der 34er Bus fährt von Eppendorf praktisch bis vor ihre Haustür.

Was soll in Eppendorf gebaut werden? 
Klaus Kolb
Anschließend gab Klaus Kolb einen Überblick über die aktuellen Bau-Pläne zur Unterkunft für Geflüchtete an der Osterfeldstraße sowie der beginnenden Unterstützung aus dem Stadtteil. Im ersten Bauabschnitt sollen178 Wohnungen von einem privaten Investor gebaut werden (Expresswohnungen). 15 Jahre werden diese Wohnungen unter der Verwaltung von „Pflegen und Wohnen“ stehen, anschließend kann der Investor sie auf dem freien Markt vermieten oder verkaufen. Seit Anfang April liegt die Baugenehmigung vor, mit einer Fertigstellung ist wahrscheinlich nicht vor Mitte 2017 zu rechnen. „Es handelt sich um eine sog. „Folgeunterkunft“, erklärt Klaus, „hier werden Geflüchtete mit ‚Bleibeperspektive‘ einziehen, die nach Monaten in einer zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in feste Wohnungen umziehen können. Die Wohnungen stehen auf einem Gewerbegebiet. Da ist eigentlich kein Wohnungsbau erlaubt. Die Bundesregierung hat aber einen Ausnahme-Paragrafen geschaffen, damit dies möglich ist.“
Platz für die Folgeunterkunft
Osterfeldstrasse
Gebaut wird in Leichtbauweise, so dass in großen Zimmern Trennwände eingezogen werden können. Jeweils vier bis fünf Gefüchtete - darunter etwa 200-250 Kinder und Jugendliche - können einziehen. Vermutlich wird es im Laufe der Jahre einiges an Fluktuationen geben.
Weitere 300 Wohnungen sollen in einem 2. Bauabschnitt folgen. Über diese Pläne ist noch nichts bekannt. „Kleinere, dezentrale Unterkünfte sind wünschenswert“, so Klaus Kolb „aber es stehen keine anderen Grundstücke im Stadtteil zur Verfügung“. Über die Zahl der vorhandenen Gemeinschaftsräume ist ebenfalls noch nichts bekannt. „Wenn es die nicht geben sollte“, fügt er hinzu, „wäre das ein schwaches Bild“.

Unterdessen werden Unterstützergruppen in Eppendorf aktiv.
  • ME hat sich von Beginn an „Inklusion und gute Nachbarschaft“ auf die Fahnen geschrieben und - gemeinsam mit dem Kulturhaus und anderen Institutionen - angekündigt, die Menschen in der Unterkunft zu unterstützen.
  • Kürzlich meldete sich die Leiterin des Integrationsprojektes beim SC Victoria
  • Es gibt die Bürgerinitiative „Flüchtlinge in Eppendorf“ 
  • Einmal monatlich tagt ein Jour fixe im Kulturhaus (nächstes Treffen 26.05.16, 19:45)
  • Das „Bildungsnetzwerk Eppendorf (BiNE)“ hat sich am 9.5.16 mit dem Thema „Geflüchtete in Eppendorf“ befasst.
  • Das Bezirksamt wird einen Beirat einrichten, in dem u.a. auch MARTINIerLEBEN vertreten sein wird.
Auswertung der Gruppenarbeit 
Nach den einführenden Vorträgen haben sich die Besucher*innen in drei Arbeitsgruppen aufgeteilt,
Gruppenarbeit
so dass sich jeweils zwei Refugees in einer Gruppe befanden. Auch Barbara Kopf und drei freiwillige Helfer*innen aus Kirchdorf nahmen ebenfalls an den Diskussionen teil.
Es wurde schnell deutlich, dass grundlegende Hilfestellung wie angemessener Wohnraum, Ausbildungsplätze oder Arbeitsstellen oder die Zusammenführung von Familien größtenteils eine Sache der Behörden ist, obwohl diese Dinge gleich nach dem Lernen der deutschen Sprache auf der Liste der Flüchtenden natürlich ganz oben stehen. Die freiwilligen Helfer*innen können mit ihrer Zeit und ihren Fähigkeiten auf vielfältige Weise das Ankommen in der neuen Umgebung erleichtern.
Hier gilt die Devise: Nicht groß denken, sondern in kleinen Schritten handeln. (z.B. in Form einer Tandem-Partnerschaft). Alles hilft, jedes kleine Mosaiksteinchen.
Eine weitere Prämisse, die sich in den Diskussionen herauskristallisiert hat, vorab: Ehrenamt braucht Hauptamt. Sprich, um die Arbeit der freiwilligen Helfer*innen überhaupt zu ermöglichen, werden feste Strukturen benötigt, die durch festangestellte Kräfte gestaltet werden.

Alle drei Gruppen hatten folgende Themenstränge, denen sie folgen konnten:
a) Was ist sinnvoll und was wird gebraucht?
b) Was können wir hier in Eppendorf tun?
c) Wie kann sich MARTINIerLEBEN einbringen?

Ergebnisse sammeln
Viele gute Ideen kamen zusammen: Räume bereitstellen und Strukturen schaffen, in denen sich alle auf einer niedrigschwelligen Ebene begegnen können, über das Angebot von Sprachkursen, Dolmetschern und Kinderbetreuung, bis hin zum gemeinsamen Kochen und Musizieren und dem Angebot von internationalen Lebensmitteln (Halal-Schlachter) im Viertel. Andere Punkte bezogen sich auf die Schaffung einer positiveren Haltung in der einheimischen Bevölkerung (es gibt noch immer viel Skepsis) und auf die Einflussnahme beim Bau der Unterkunft.

Dabei sollen die Angebote passen, auf die Bedürfnisse der Neuankömmlinge zugeschnitten sein, was eine Begegnung auf Augenhöhe und Gespräche miteinander voraussetzt. Also weniger einseitige Hilfe, sondern ein Austausch - ein Geben und Nehmen. Auch ist es wichtig, kulturelle Verschiedenheiten einzubeziehen und noch vor der eigentlichen Arbeit herausfinden, wo die Konfliktpotentiale aufgrund von etwaigen Missverständnissen liegen könnten. Also Aufklärungsarbeit und Instruktion der Ehrenamtlichen bereits zu Beginn mit einer Art Kompendium oder Vorträgen. Ähnliche Schritte aus der anderen Richtung sind in Form des "Refugee Guides" und des "Phrasebooks" unternommen worden, einer Aufklärungsbroschüre in fünf Sprachen, in der die abweichenden Gepflogenheiten der Westeuropäer kurz und unterhaltsam skizziert sind. Denn gerade diese freiwilligen Helfer*innen fungieren als Bindeglieder, sind die ersten, denen die Geflüchteten von Mensch zu Mensch begegnen.

Arbeitsgruppe 3
Der Prozess einer gelingenden Integration steht und fällt mit einem niedrigschwelligen Begegnungsort, eine Plattform für gemeinsame Aktivitäten, die in regelmäßigen Abständen stattfindet, am besten in einem wöchentlichen Rhythmus.
Hier könnte MARTINIerLEBEN ins Spiel kommen. Wenn das neue Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Bethanien-Krankenhauses fertig ist, stehen mehr Räume zur Verfügung. Bestehende Angebote, wie Boule oder der Handarbeitszirkel könnten geöffnet, neue wie ein internationales Kochprojekt erschlossen werden. Aber auch auf eine andere Weise sollten die Ressourcen erkundet werden: es könnten zum Beispiel Mittel für hauptamtliches Koordinationspersonal beantragt werden.
Der Verein kann seine Kompetenz und seine Netzwerke nutzen, um Angebote bekannt zu machen (Stichworte: website, facebook, blog) und damit mehr Menschen zum Mitmachen zu animieren. Außerdem können Kontakte zu Flüchtlingsbeauftragten und anderen Initiativen, die schon mehr Erfahrung haben, gepflegt werden. 

Es bleibt viel zu tun, aber der Vorteil ist, dass die Arbeiten und die Planung noch vor der Ankunft der Refugees beginnen. Und diese Arbeit lohnt sich schon jetzt. Denn, wie sagte einer der Männer aus Kirchdorf-Süd, der aus Syrien stammt und dessen Familie noch in der Türkei wartet: Es gibt das Deutschland, von dem er hört und das Deutschland, das er mit eigenen Augen sieht. Und das, was er am heutigen Tag erfahren habe, sei das wahre Deutschland. Und er bedankte sich herzlich für das Engagement der Teilnehmer*innen.

Sonntag, 22. Mai 2016

Verwirrung: Bus-Verkehrsführung in Eppendorf
Gleich zwei Baustellen in Eppendorf haben in den letzten Wochen den Busverkehr in unserem Stadtteil durcheinander gebracht. Die Information der Fahrgäste durch HVV und Hochbahn ist dabei auf der Strecke geblieben.
Fahrgast Hartmut Biebau
Am 11. 5. 2016 steht Hartmut Biebau am Eppendorfer Markt. Er will mit dem 39er Schnellbus nach Wandsbek fahren. „Abfahrt der Busse 22 und 39 vom Fahrbahnrand Eppendorfer Marktplatz“ kann er auf dem digitalen Laufband lesen. Vor Haus 2, parallel zur Insel, steht in Sichtweite ein Ersatzhaltestellen-Schild. Nur, das ist nicht gemeint. Die Haltestelle dort soll erst ab 17. 5. gelten, also eine Woche später. Der Hinweis bezieht sich vielmehr auf den Ersatzhalt schräg gegenüber - vor dem Tattoo-Studio Haus 13. Doch das weiß Hartmut nicht. Am Haltestellen-Schild vor Haus 13 ist auch nicht angeschlagen, welche Busse dort stoppen. Herr Biebau ruft die Hotline der Hochbahn an. Dort gerät er in der Warteschleife, wird schließlich abhängt.
Am Kundentelefon scheitert auch Jeannine Strozynski, Residenzleiterin der „Bethanien Höfe“. Sie kritisiert, dass die Haltestelle Julius-Reincke-Stieg vor ihrer Einrichtung drei Monate lang vom 20er, 25er und 600er Bus nicht bedient wird. Die teils gehbehinderten Bewohner ihres Hauses - sowie der zahlreichen Stifte im
Ersatzhalt ab 17. Mai
Martiniquartier -  müssen auf die Schottmüllerstraße ausweichen. „Für ältere Menschen bedarf jeder Schritt eine große Anstrengung“, sagt Frau Strozynski. Verärgert ist sie auch, dass die Fahrgäste erst zwei Tage vor Baubeginn durch Aushang informiert worden sind – „ohne genaue Beschreibung, wo sich der Ersatzhalt Schottmüllerstraße befindet.“ Die angegebene Hotline-Nummer ist dauerbesetzt. Daraufhin schreibt die Residenzleiterin dem HVV eine Mail. Als Antwort erhält sie einen inhaltsleeren Textbaustein. „Nach Möglichkeit“ soll sie innerhalb von 14 Tagen eine Antwort erhalten, heißt es da.
Verwirrung unterdessen auch bei einigen Busfahrern, die offenbar nicht richtig von ihrer Leitstelle informiert sind: so fährt ein 22er ein Stück Umleitungsstrecke, obwohl das gar nicht notwendig ist, ein anderer verpasst am Markt sogar den Ersatzhalt.
Umleitung für den 22er Bus
Bevor sich die Eppendorfer auf die neue Situation einstellen können, ist ab 17. Mai der Marktplatz gesperrt: die Busspuren werden saniert. „Eine schwierige Situation“, bestätigt Hochbahnsprecherin Christina Becker, „weil die 2. Baustelle genau die Umleitungsstrecke blockiert“. Die Busse 22 und 39 fahren eine Woche lang ihre alte Strecke.
Warten auf den Bus
Vor dem Tattoo-Studio warten dennoch Fahrgäste in Richtung Altona – die Anzeige der gesperrten Haltestelle vor der Sparkasse hat sie dorthin geführt. „Busse halten am Fahrbahnrand“ heißt es auch dort. Nur im Kleingedruckten ist am roten Pfahl zu lesen, dass eine Sonder-Haltestelle „Kleine“ Eppendorfer Landstraße gemeint ist, nicht der Marktplatz.
Inzwischen sind die Bauarbeiten am Markt beendet, in der Martinistraße wird weiter gebuddelt. Bis Montag, 15. August sollen Linien 20, 25 und 600 Busse eine Umleitung fahren. Details finden die Fahrgäste im Internet – jedoch nicht jede/r hat einen Zugang.
Wer hält denn da?
Der 22er und der 39er Bus machen erneut vor dem Tattoo-Studio halt. Zur Kundenkommunikation verspricht due Hochbahnsprecherin: „Die Kollegen bessern nach, wenn sich in der Praxis Potenzial zum Nachsteuern ergibt“. Bisher fehlen an den stillgelegten Haltestellen jedoch die angekündigten Schaubilder. Sie sollen die Umleitungsstrecken und ihre Haltestellen zeigen. Vor dem Tattoo-Studio am Marktplatz indes haben freundliche Eppendorfer eine Hochbahn-Aufgabe übernommen: Nachbarn informieren, welche Busse dort halten.

Christian Winter

Donnerstag, 28. April 2016

Vernissage in der Schedestrasse

Mein Quartier gleich neben dir

Am 26. April 2016 gilt wirklich, was sich unser Verein auf die Fahne geschrieben hat: „Generationen gemeinsam in Eppendorf“. Punkt 15.30 Uhr strömen sie aus dem Kulturhaus in Richtung Ausstellungsort: 
Erste Ausstellungsbesucher*innen
Mitstreiter*innen von MARTINIerLEBEN (ME), einige gestandene „Models“, Studierende der Medial School Hamburg (MSH) und ihr Professor.  Der Situation angemessen hat Elisabeth Kammer eine Flasche Bitzelwasser im Gepäck. Doch bevor der Sekt noch die Runde macht, zeigt Petrus wieder, dass er die Hosen anhat: er lässt es wie aus Kübeln schütten. Das kann die gute Stimmung jedoch nicht trüben.

„Mein Quartier gleich neben dir“ - unter diesem Motto hatten sechs Studierende unter Betreuung von Prof. Dr. Jan Sonntag ihr Projekt im Februar im MARTINIerLEBEN-Café vorgestellt. Spontan meldeten sich 12 Interessierte.
Studentinnen der MSH
Wochenlang verjüngten die jungen Frauen daraufhin unser Quartier, führten teilweise bis zu drei Stunden lange einfühlsame Gespräche mit Bewohner*innen aus der Nachbarschaft. So gewannen sie sehr persönliche Einblicke in die Lebenswelt und den Alltag ihrer „Models“.  Gemeinsam wurde entschieden, welches Detail gezeigt und welche Aufschrift ihr Bild haben soll. Wichtig war auch die Klärung der Frage, ob das Antlitz auf dem Bild erscheint – oder eben nicht! Herausgekommen ist eine Ausstellung mit 13 wunderschönen Exponaten.

Giesela
Zum Beispiel Giesela: Die Bewohnerin der Bethanien-Höfe Eppendorf hatte die Picasso - Ausstellung in der Innenstadt angeschaut. Schnell ist bei den Fotografinnen, Lea und Franziska, der Blick nach draußen gewandert. „Das ist mein Fenster zur Welt“, erklärte Giesela. „Denn dort frühstücke ich morgens.“ Leider hatten die Studierenden und ihr „Objekt“ kein schönes Wetter während des Fototermins. Ein Bildbearbeitungsprogramm ermöglicht trotzdem, dass doch die Sonne aufgeht – was Giesela immer so schön findet.

Jutta
Unterdessen hat Jutta sich mit ihrem Ehering ablichten lassen. „Man muss mit Vertrauen entgegenkommen, dann wird das auch was“ – so ihre Devise. Und das gilt für die ehemalige Erzieherin gleich doppelt: zum einen hat sie lange Zeit mit schwer kriminellen Jugendlichen gearbeitet. „Mit Zuversicht konnte ich vielfach ihr Herz gewinnen“, erzählt Jutta. Zum anderen ist da noch seit 32 Jahren ihre Freundin, die seit sieben Jahren ihre Frau ist. An Ihren Interviewerinnen, Virginia und Teresa, hat ihr gefallen, dass sie trotz des Altersunterschieds so offen und interessiert gewesen sind: „Wir kamen gleich ins Gespräch.“

Prof. Sonntag
„Besonders beeindrucken mich die langen und intensiven Interviews, die die Studentinnen mit den „Models“ geführt haben, so der sichtlich stolze Professor, Jan Sonntag. Mit dem Fotoprojekt haben sie „nachbarschaftliche Beziehungen, individuelle Lebenskunst und kulturelle Vielfalt des Quartiers sichtbar gemacht“. Denn das Leben hinter historischen Fassaden mit historischem Charme geht oft mit Verschlossenheit und Allein-Sein einher.

Während der Regen auf die Ausstellungsbesucher*innen prasselt, lassen es sich einige Gäste nicht nehmen, sich mit ihren Fotos ablichten zu lassen. Dabei lüfteten gute Bekannte von ME ihr Geheimnis, dabei gewesen zu sein.

Heike
Rudolph
K.D.
Als guter Geist für MARTINIerLEBEN ist in den letzten Wochen Elisabeth Kammer unterwegs gewesen. Sie hat u.a. an den Gesprächsrunden der Studierenden teilgenommen, die Kontakte zwischen „Models“ und Studierenden hergestellt und für den Druck der Exponate gesorgt. Die Ausstellung in der Schedestraße 16 soll ein paar Wochen hängen bleiben, kündigt Elisabeth an: „Ich hoffe, dass die Laminierung hält“. Wenn alles gut geht, wird die Bildergalerie „Ich zeige mich“ im Sommer vielleicht noch auf der Stellwand am Maria-Jonas-Platz aufgehängt.

Bilder: Dieter Tretow, Text: Hans Loose

Donnerstag, 14. April 2016

Die Stadtreinigung gibt uns (k)einen Korb

Vorher: klein und überfüllt
MARTINIerLEBEN hat in den letzten Jahren viele Veränderungen angeregt bzw. selbst umgesetzt, um unser Quartier wohnlicher zu machen. Dennoch sollten wir die Profis nicht aus der Verantwortung lassen. Müllkörbe leeren, Straßenschilder reinigen oder Stolperfallen auf Gehwegen ausbauen gehört nicht zu den eigentlichen Aufgaben unseres Vereins. Dort müssen Fachleute ran. Die meisten MitarbeiterInnen von Behörden, Bezirksamt und Landesbetrieben sind hochmotiviert. Sie sind jedoch auf konkrete Informationen angewiesen. Daher sind unsere Hinweise an die zuständigen Stellen nötig. 

Mangels Personal kann es allerdings jeweils etwas dauern, bis der Schaden behoben oder Dreck beseitigt ist. Beispiel: der Mülleimer am „Roten Platz“ Schede-, Ecke Frickestraße. Auf Initiative von ME wurde der Behälter vor wenigen Tagen ausgetauscht. Die Stadtreinigung hat ein größeres Modell geliefert – 10 Liter fasst der Korb jetzt mehr. Montag, Mittwoch und Freitag soll er künftig geleert werden. Um Missbrauch vorzubeugen, ist der Einwurfschacht des Mülleimers kleiner
als bisher. Von Anfang an war der meist volle rote Eimer so manchem Quartiersbewohner ein Dorn im Auge. Die Stadtreinigung leerte ihn zwei Mal in der Woche, manchmal urlaubs- oder krankheitsbedingt seltener. Kaum waren die orange-gekleideten Saubermänner wieder fort, füllte sich der Eimer – wie von Geisterhand. „Wir sind dabei zu prüfen, ob dort Hausmüll entsorgt wird“, erklärte Richardt Rieper von der Stadtreinigung nach unserem Hinweis Anfang März.

Inzwischen waren die Reinigungskräfte mehrfach vor Ort. Tatsächlich: in der hängenden Müllsammelstelle landen nicht nur leere Dosen, benutzte Kaugummis und Zigarettenschachteln, sondern auch Kaffeefilter und gebrauchte Hygieneartikel. Rieper kündigte an: „Wir werden mit unsere Kontrollen des Inhalts fortsetzen.“ Um den Müllmuffeln auf die Spur zu kommen, nutzen die Stadtreiniger kleine Tricks. Welche, wird hier nicht verraten.

Hilfreiche Rufnummern:


Defekte Straßenbeleuchtung, Ampelausfall:
040 - 80 60 90 40
Hamburg Verkehrsanlagen GmbH (früher Vattenfall)

einsatzleitung@hhva.de

 
Verschmutzung auf Gehwegen:
040 – 25 76 11 11

Waste-Watcher Stadtreinigung HH
info@srhh.de 

Gehwegschäden/ verschmutzte Straßenschilder
040 - 42804-6137 od. -6130

Wegewart Andreas Seegers (Bezirksamt Hamburg-Nord - Fachamt Management des öffentlichen Raumes - Tiefbau – Unterhaltung)
MR@hamburg-nord.hamburg.de
 

 
Zuständiges Polizeikommissariat 23
040 - 42865 - 2310

Innenbehörde

polizeioeffentlichkeitsarbeit@polizei.hamburg.de


Nachher!
Mitteilungen an die Polizei kann man bequem über die Online-Wache erledigen. Dieses Internetportal ist nicht für Notfälle geeignet. Der Trend geht zu Hamburg-weiten Portalen. Prominentes Beispiel ist das Online-Portal Melde-Michel. Trotz Kinderkrankheiten entwickelt sich der Melde-Michel zum Ansprechpartner für diverse Probleme, u.a. Straßen- und Beleuchtungsschäden, umgekippte Baustellenschilder, verschmutzte Grünanlagen etc. Alle beteiligten Dienststellen bearbeiten die Meldungen von uns Bürgern in 80 Prozent der Fälle innerhalb von zehn Arbeitstagen, so die zuständige Finanzbehörde. Der „Melder“ bekommt vom Michel eine Antwort, was aus seiner Anfrage geworden ist Direkter telefonischer Draht in die Verwaltung ist seit einigen Jahren die Rufnummer 115. Über die 115 erhalten wir Bürger Informationen zu den häufigsten Themen, die mit Behörden zu tun haben. Der Behördenfinder ist mit über 4000 Datensätzen ein sicherer Weg in die Verwaltung. Straßennamen eingeben, Anliegen mitteilen. Informationen lesen – Amt kontakten – per Anruf, FAX oder Mail

Text und Bilder: Hans Loose

Dienstag, 19. Januar 2016

Künstlerische Aktionen im Martini-Quartier

Studierende wollen Schwung in das
nachbarschaftliche Leben bringen
Das soziale und kulturelle Leben im Quartier zwischen Martinistraße, Tarpenbekstraße und UKE ist vielfältig. Zum Beispiel das Kulturhaus Eppendorf ist Knotenpunkt vielfältiger Aktivitäten. Dem steht das andere Quartiersleben vieler älterer Bewohner gegenüber, das fast nur hinter Mauern stattfindet – in Einrichtungen und Wohnstiften. Spaziert man durch die Schede- und Frickestraße, blickt man auf ehrwürdige alte Fassaden, die historischen Charme ausstrahlen, leider aber oft mit Verschlossenheit und Exklusion einhergehen. Im Martini-Quartier gibt es mehr Single-Haushalte mit alleinstehenden älteren Menschen als irgendwo sonst in Hamburg.

Der Verein MARTINIerLEBEN hat sich zur Aufgabe gemacht, das soziale Leben im Quartier zu beleben. Die Menschen sollen hier generationsübergreifend zusammenleben und ihre persönlichen Begabungen in kreativer Weise entfalten können. Ein solcher Lebensraum ist sogar gesundheitsfördernd. Er bietet zudem Raum zur Fürsorge für kranke und alte Menschen, Kindern und Familien, unabhängig von professioneller Hilfe.

Jetzt erhält MARTINIerLEBEN Unterstützung künstlerischer Art durch Studierende des Studiengangs Expressive Arts in Social Transformation an der MSH Medical School Hamburg. Eng abgestimmt mit den Bedürfnissen der Bewohner des Martini-Viertels werden die Studierenden in den kommenden Wochen Nachbarschaft, Intergenerativität und Individualität erlebbar machen. Eine Serie künstlerischer Aktionen bringt die besondere intermediale Qualität des Studiengangs mitten ins städtische Leben: Straßentheater, Fotografie, Poesie und Performance. Thematisiert wird: Isolation, Barrieren und die Potentiale von Begegnung und Interaktion. Auch der Umbau des ehemaligen Bethanienkrankenhauses zum sozialen und kulturellen Zentrum Martini44 soll genutzt werden. Ihren Höhepunkt finden die Aktionen im großen Kunstevent Kunstklink 2016, das am 18. und 19. Juni im Quartier stattfinden wird.