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Dienstag, 10. Juli 2018

Vier Pfoten für Wärme und Verständnis

Foto: 4 Pfoten für Sie - Michael Hagedorn
Gleich drei Hündinnen waren kürzlich im MARTINIerLEBEN-Café zu Gast. Begleitet von der Ehrenamtlichen Milena Minhas, der Koordinatorin des Projektes "4 Pfoten für Sie", Bianca Huckfeldt und Pamela Freese Leiterin des Bereiches "Betreuungsgruppen" der „Hamburgischen Brücke“, die über die Einsätze auf vier Pfoten für demenziell Erkrankte berichteten.

Ein Praxisbeispiel*: Seit zwei Jahren besuchen Sabine und ihr Golden Retriever Archie eine ältere Dame in Lokstedt. Petra Meyer (92) lebt allein und ist demenzkrank. Zur Vorbereitung hat Sabine einen 40-stündigen Qualifizierungskurs – und zwei Praxistage – absolviert. Außerdem machte sie den Hundeführerschein. „Am Anfang unserer Besuche hat mich die Dame nicht immer erkannt“, erzählt Sabine, „den Hund schon.“ Inzwischen weiß Frau Meyer, dass ihr vierbeiniger Freund dienstags um 16 Uhr zu Besuch kommt. Sie steht dann am Fenster und erwartet ihre Gäste. Es gibt ein paar Rituale: Gleich nach der Ankunft holt die Betreuerin ihren Futterbeutel für Archie raus. Der sitzt dann schon vor Frau Meyer und wartet auf sein Leckerli. Zunächst wird gekuschelt, dann spazieren gegangen. Fragen zu ihrer Vergangenheit beantwortet die Rentnerin gerne. Inzwischen erinnert sie sich manchmal sogar an aktuelle Themen. Zuweilen wird die Lokstedterin allerdings aggressiv, ärgert sich offenbar über ihre zunehmende Vergesslichkeit. Hund Archie schleckt ihr dann kurz über die Hand und schon fängt sie an zu lachen und knuddelt den Hund. Der Golden Retriever hat ein Gespür dafür, wann man "Blödsinn" machen kann und wann man bei ihr stillhalten sollte, um sich drücken zu lassen.
Hunde sind besonders geeignet, um zu Menschen mit Demenz Kontakt aufzubauen“, erklärt Annika Mätzig, die bei der Hamburgischen Brücke für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Das liegt vor allem an ihrem Wesen. Grundsätzlich ist jede Hunderasse für den Besuchsdienst geeignet. Der Vierbeiner muss zum Zeitpunkt des Qualifizierungskurses mindestens 18 Monate alt und gesund sein. Die ehrenamtlich arbeitenden Teams (8-12 gibt es allein in Hamburg) werden nicht allein gelassen, stehen in engem Kontakt mit der Koordinatorin des Projektes und können ihre Erfahrungen in Gruppensitzungen austauschen. Bisher gibt es noch kein Vier-Pfoten-Projekt in Eppendorf, sondern nur in Barmbek, Osdorf und vier weiteren Stadtteilen. Doch wer weiß, vielleicht ändert sich das, wenn die Hamburgische Brücke mit der Sozialstation Eppendorf in den Neubau des ehemaligen Krankenhaus Bethanien in der Martinistraße 44 einziehen und dort eine Wohn-Pflege-Gemeinschaft für Menschen mit Demenz einrichten wird.

Kontakt: 
Bianca Huckfeldt, HAMBURGISCHE BRÜCKE, Das Demenzdock, Hellbrookkamp 58, 22177 Hamburg, Tel.: 040 - 460 21 58, E-Mail: huckfeldt@hamburgische-bruecke.de


Zu der Wohn-Pflege-Gemeinschaft der HAMBURGISCHEN BRÜCKE wird es zwei Info-Abende geben. Jeweils montags am 27. August und 24. September um 17:30 im Restaurant Martini, Behtanien-Höfe, Martinistraße 41. Kontakt: Ulrike Böther, 040 - 22 72 98 -22, wpg@hamburgische-bruecke.de


* Namen geändert

Text: Hans Loose (mit Material von "4 Pfoten für Sie", Köln)
Redaktion: Larissa Rode

Dienstag, 29. Mai 2018

Nachbarschaftstag:
Nächstes Mal gemeinsam?


Larissa von MARTINIerLEBEN (ME) hatte die schöne Idee. Zum „Tag der Nachbarn“ luden Stadtteilarchiv, Kulturhaus und ME zu „Bowle und Plausch“ im Hinterhof. Larissa und einige freiwillige Helferinnen hatten die Briefkästen der Nachbar*innen bestückt, außerdem per Mail für die Veranstaltung geworben.
Sabine und Larissa
Sabine und Larissa
Gut 50 Besucher*innen zählte Marthe am Ende des Abends. Die meisten im Alter 60 plus. Die Gäste, darunter auch einige Stift-und Residenz-Bewohner*innen, genossen sichtlich das Klönen im Freien. Die Bowle war leider viel zu schnell ausgetrunken. Doch es gab ja noch Wasser und Mitbringsel der Besucher*innen. Eines ist auf jeden Fall schon mal klar geworden: Unabhängig von der künftigen Zusammenarbeit unter dem Dach von Martini 44 können die Mitglieder und Sympathisanten unsere drei Vereine gut zusammen feiern.
Die Geschwister und Jungs in Cordhosen
Szenenwechsel: eine Straßenecke weiter, im Geschwister Café stieg ab 19 Uhr ein Nachbarschaftsfest. Karla von nebenan.de hatte über ihren Verteiler der Community geworben. Und gefühlt 150 Menschen zwischen 25 und 45 folgten dem Aufruf. Die beiden Schwestern begrüßten nicht nur die Gäste, sondern auch die netten Jungs in Cordhosen. Bei Würstchen und Kaltgetränken sorgte das Trio zunächst unplugged für gute Laune. Leider war es schwierig, der Musik zuzuhören und sich gleichzeitig zu unterhalten. (Mir fehlte ein wenig der Respekt vor den Musikern.) Vor dem Café wurde so manches Gespräch fortgesetzt. Und einige Teilnehmer*innen wurden nach Mitternacht noch gegenüber in der Bierbar gesehen.
vor dem Café
Vor dem Café

Indes hatten sich einige ältere Besucher wie Rena und Udo zuvor schon auf dem anderen Fest umgesehen. Ich traf sie im Geschwistercafé wieder. Uns kam anschließend der Gedanke: warum haben beide Gruppen eigentlich nicht gemeinsam gefeiert? Bestimmt hätten die Jungs in Cordhosen - nicht nur - den Stiftsdamen gefallen. Und zwischen älteren und jüngeren Gästen hätten sich sicher spannende Gespräche ergeben. Schließlich lautet das Motto von MARTINIerLEBEN: Generationen gemeinsam in Eppendorf.

Text und Bilder: Hans Loose


Donnerstag, 14. April 2016

Die Stadtreinigung gibt uns (k)einen Korb

Vorher: klein und überfüllt
MARTINIerLEBEN hat in den letzten Jahren viele Veränderungen angeregt bzw. selbst umgesetzt, um unser Quartier wohnlicher zu machen. Dennoch sollten wir die Profis nicht aus der Verantwortung lassen. Müllkörbe leeren, Straßenschilder reinigen oder Stolperfallen auf Gehwegen ausbauen gehört nicht zu den eigentlichen Aufgaben unseres Vereins. Dort müssen Fachleute ran. Die meisten MitarbeiterInnen von Behörden, Bezirksamt und Landesbetrieben sind hochmotiviert. Sie sind jedoch auf konkrete Informationen angewiesen. Daher sind unsere Hinweise an die zuständigen Stellen nötig. 

Mangels Personal kann es allerdings jeweils etwas dauern, bis der Schaden behoben oder Dreck beseitigt ist. Beispiel: der Mülleimer am „Roten Platz“ Schede-, Ecke Frickestraße. Auf Initiative von ME wurde der Behälter vor wenigen Tagen ausgetauscht. Die Stadtreinigung hat ein größeres Modell geliefert – 10 Liter fasst der Korb jetzt mehr. Montag, Mittwoch und Freitag soll er künftig geleert werden. Um Missbrauch vorzubeugen, ist der Einwurfschacht des Mülleimers kleiner
als bisher. Von Anfang an war der meist volle rote Eimer so manchem Quartiersbewohner ein Dorn im Auge. Die Stadtreinigung leerte ihn zwei Mal in der Woche, manchmal urlaubs- oder krankheitsbedingt seltener. Kaum waren die orange-gekleideten Saubermänner wieder fort, füllte sich der Eimer – wie von Geisterhand. „Wir sind dabei zu prüfen, ob dort Hausmüll entsorgt wird“, erklärte Richardt Rieper von der Stadtreinigung nach unserem Hinweis Anfang März.

Inzwischen waren die Reinigungskräfte mehrfach vor Ort. Tatsächlich: in der hängenden Müllsammelstelle landen nicht nur leere Dosen, benutzte Kaugummis und Zigarettenschachteln, sondern auch Kaffeefilter und gebrauchte Hygieneartikel. Rieper kündigte an: „Wir werden mit unsere Kontrollen des Inhalts fortsetzen.“ Um den Müllmuffeln auf die Spur zu kommen, nutzen die Stadtreiniger kleine Tricks. Welche, wird hier nicht verraten.

Hilfreiche Rufnummern:


Defekte Straßenbeleuchtung, Ampelausfall:
040 - 80 60 90 40
Hamburg Verkehrsanlagen GmbH (früher Vattenfall)

einsatzleitung@hhva.de

 
Verschmutzung auf Gehwegen:
040 – 25 76 11 11

Waste-Watcher Stadtreinigung HH
info@srhh.de 

Gehwegschäden/ verschmutzte Straßenschilder
040 - 42804-6137 od. -6130

Wegewart Andreas Seegers (Bezirksamt Hamburg-Nord - Fachamt Management des öffentlichen Raumes - Tiefbau – Unterhaltung)
MR@hamburg-nord.hamburg.de
 

 
Zuständiges Polizeikommissariat 23
040 - 42865 - 2310

Innenbehörde

polizeioeffentlichkeitsarbeit@polizei.hamburg.de


Nachher!
Mitteilungen an die Polizei kann man bequem über die Online-Wache erledigen. Dieses Internetportal ist nicht für Notfälle geeignet. Der Trend geht zu Hamburg-weiten Portalen. Prominentes Beispiel ist das Online-Portal Melde-Michel. Trotz Kinderkrankheiten entwickelt sich der Melde-Michel zum Ansprechpartner für diverse Probleme, u.a. Straßen- und Beleuchtungsschäden, umgekippte Baustellenschilder, verschmutzte Grünanlagen etc. Alle beteiligten Dienststellen bearbeiten die Meldungen von uns Bürgern in 80 Prozent der Fälle innerhalb von zehn Arbeitstagen, so die zuständige Finanzbehörde. Der „Melder“ bekommt vom Michel eine Antwort, was aus seiner Anfrage geworden ist Direkter telefonischer Draht in die Verwaltung ist seit einigen Jahren die Rufnummer 115. Über die 115 erhalten wir Bürger Informationen zu den häufigsten Themen, die mit Behörden zu tun haben. Der Behördenfinder ist mit über 4000 Datensätzen ein sicherer Weg in die Verwaltung. Straßennamen eingeben, Anliegen mitteilen. Informationen lesen – Amt kontakten – per Anruf, FAX oder Mail

Text und Bilder: Hans Loose

Dienstag, 19. Januar 2016

Künstlerische Aktionen im Martini-Quartier

Studierende wollen Schwung in das
nachbarschaftliche Leben bringen
Das soziale und kulturelle Leben im Quartier zwischen Martinistraße, Tarpenbekstraße und UKE ist vielfältig. Zum Beispiel das Kulturhaus Eppendorf ist Knotenpunkt vielfältiger Aktivitäten. Dem steht das andere Quartiersleben vieler älterer Bewohner gegenüber, das fast nur hinter Mauern stattfindet – in Einrichtungen und Wohnstiften. Spaziert man durch die Schede- und Frickestraße, blickt man auf ehrwürdige alte Fassaden, die historischen Charme ausstrahlen, leider aber oft mit Verschlossenheit und Exklusion einhergehen. Im Martini-Quartier gibt es mehr Single-Haushalte mit alleinstehenden älteren Menschen als irgendwo sonst in Hamburg.

Der Verein MARTINIerLEBEN hat sich zur Aufgabe gemacht, das soziale Leben im Quartier zu beleben. Die Menschen sollen hier generationsübergreifend zusammenleben und ihre persönlichen Begabungen in kreativer Weise entfalten können. Ein solcher Lebensraum ist sogar gesundheitsfördernd. Er bietet zudem Raum zur Fürsorge für kranke und alte Menschen, Kindern und Familien, unabhängig von professioneller Hilfe.

Jetzt erhält MARTINIerLEBEN Unterstützung künstlerischer Art durch Studierende des Studiengangs Expressive Arts in Social Transformation an der MSH Medical School Hamburg. Eng abgestimmt mit den Bedürfnissen der Bewohner des Martini-Viertels werden die Studierenden in den kommenden Wochen Nachbarschaft, Intergenerativität und Individualität erlebbar machen. Eine Serie künstlerischer Aktionen bringt die besondere intermediale Qualität des Studiengangs mitten ins städtische Leben: Straßentheater, Fotografie, Poesie und Performance. Thematisiert wird: Isolation, Barrieren und die Potentiale von Begegnung und Interaktion. Auch der Umbau des ehemaligen Bethanienkrankenhauses zum sozialen und kulturellen Zentrum Martini44 soll genutzt werden. Ihren Höhepunkt finden die Aktionen im großen Kunstevent Kunstklink 2016, das am 18. und 19. Juni im Quartier stattfinden wird.

Dienstag, 12. Januar 2016

Dunkle Gehwege und eine unveröffentlichte Richtlinie

Seit über einem Jahr bemühen sich Mitglieder des Vereins MARTINIerLEBEN um mehr Licht auf den Wegen des Quartiers - mit eingeschränktem Erfolg. Dabei wohnen im Bereich von Schede-, Fricke-, Tarpenbek- und Martinistraße über 600 ältere Menschen; viele von ihnen sind nur eingeschränkt mobil. „Gerade für sie sind Sicherheit und Wohlbefinden im öffentlichen Raum ein entscheidender Faktor für ihre Teilnahme am öffentlichen Leben", erklärt Wolfgang Hinsch von der AG Barrierefrei des Vereins. In einem Brief im Januar 2015 an den zuständigen Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) kritisiert Hinsch: „Es gibt keine einheitlichen Lichtverhältnisse. Die Lichtquelle der Bogenleuchten ist hauptsächlich auf Fahrwege gerichtet – und nicht auf die Gehwege. Ihre Ausleuchtung ist teilweise von Straßenseite zu Straßenseite unterschiedlich.“ Beispielsweise in der Schedestraße: „Der Abstand zwischen zwei Bogenlampen ist mit 50-60 Metern etwa doppelt so groß wie in den benachbarten Straßen." Die AG Barrierefrei hat daher vorgeschlagen, Straßenleuchten so nachzurüsten, dass unterhalb der vorhandenen Lichtquelle eine zusätzliche, auf den Gehweg gerichtete Leuchte angebracht wird.

Der LSBG sieht in seinem Antwortschreiben keinen Handlungsbedarf. Er beruft sich auf den ‚Hamburger Beleuchtungsstandard für vergleichbare Straßen‘. Immerhin kündigt der Landesbetrieb an, mit einem Rückschnitt der Bäume in der Schedestraße mehr Licht zu schaffen. Details zum ‚Beleuchtungsstandard‘ bekommt MARTINIerLEBEN zunächst nicht. Auf intensive Nachfrage nennt Gérard Rose, Fachbereichsleiter Management Technische Anlagen, Details zu diesen LSBG-Standards: „Hauptverkehrsstraßen mit diversen Nutzern werden grundsätzlich heller beleuchtet als ruhige Anliegerstraßen. Auf Hauptverkehrsstraßen ist der Abstand der Maste abhängig von deren Höhe. Im Bestand sind Regelabstände von ca. 30 bis 40 Metern anzutreffen, seltener 45 Meter. Die Abstände weichen in der Praxis geringfügig von den Regelabständen ab […] In für den Verkehr untergeordneten Straßen (z.B. Wohnstraßen, Anliegerstraßen) sind Abstände von 60 Metern zwischen den Masten vorgesehen.“

Den Wunsch auf Einblick in die erwähnte Beleuchtungsrichtlinie weist Rose zurück. „Ein internes Arbeitspapier für den internen Dienstgebrauch", erklärt er. Weitergabe? Nicht möglich. Bei Licht betrachtet plant und arbeitet der Landesbetrieb in Beleuchtungsfragen damit weitgehend unkontrolliert. Und das macht Veränderungen im Beleuchtungskonzept zum Nutzen der Eppendorfer BürgerInnen schwierig.

Eine Vermutung hat sich Wolfgang Hinsch nach den Recherchen von ME aufgedrängt: „Auf Fußgänger ist die fragliche Richtlinie nicht ausgerichtet. Es geht schwerpunktmäßig um die Beleuchtung der Straßen, nicht der Gehwege.“

Bilder und Text: Hans Loose

Donnerstag, 5. November 2015

Kaputter Diabetrachter und ein zu langer Rock – zum Wegwerfen viel zu schade

MARTINIerLEBEN hatte am 31. Oktober erneut zum Repair-Café Eppendorf geladen. Bereits zum 6ten Mal wurde im großen Saal des Kulturhauses Eppendorf nachmittags gebohrt, geschnitten, genäht und geschraubt. Bei herbstlichem Wetter waren die Besucherinnen und Besucher keineswegs nur aus dem Stadtteil gekommen, eine ältere Dame sogar per Fahrrad aus Hummelsbüttel.

Im Gepäck hatten die Gäste Diverses, was irgendwie nicht mehr funktionierte. So rückte Rosi Sobiech mit ihrer 14 Jahre alten Brotschneidemaschine an. An der Sollbruchstelle hatte das Kabel schlappgemacht. Helmut Treffler, Techniker, wie die anderen Helferinnen und Helfer ehrenamtlich im Einsatz, konnte das Kabel kürzen, neu anschließen und dem Schneidewerkzeug wieder zu Saft verhelfen.

Unterdessen bemühte sich Ernst Irion, einen 32 Jahre alten Sony Kassettenplayer wieder zum Leben zu erwecken. Schließlich sind Musikkassetten wieder voll im Trend. Nach kurzer Funktionsprüfung und einigen Tropfen Spiritus funktionierte der Vorlauf wieder, wenn auch zunächst nur mit Knattern.
Hilfe zur Selbsthilfe (dem Motto des Repair-Cafés entsprechend) leistete derweil Ute Plätzer. Sie half einer Besucherin, ihren liebgewonnenen blauen Rock zu kürzen. Wichtig ist dabei auch, so erfuhr der Reporter, vorher zu klären, ob der Rock mit niedrigen oder hohen Absätzen getragen werden soll. Ute fixierte den Saum am Rock, anschließend setzte sich ihre Ratsuchende zu Haus an die Nähmaschine.

Während Viktor Ehlers sich über einen gut erhaltenen Diabetrachter her machte – der Schlitten klemmte -, war Thomas ebenfalls in der Elektroabteilung aktiv. Ilona Neckermann hatte ihm ihren High-Tech-Radiowecker präsentiert -ausgestattet mit an die 15 Tasten und Einstellschrauben und erst vier Jahre alt. Das Radio funktionierte, nicht aber das Nachtlicht. Professionell nahm Thomas ebenfalls eine Funktionsprüfung vor, mutmaßte, dass eventuell der Sensor kaputt sei. Doch da wollte er sich nicht ranmachen. Er schlug Frau Neckermann vor, ihren Fachhändler aufzusuchen.

Auf der Bühne drehte sich alles ums Rad. Eine ‚Kundin’ war Anja Messerschmidt: Seit sechs Jahren hatte sie ihren Drahtesel vor der Tür geparkt. Der Alu-Rahmen war gut erhalten, doch das Rücklicht hatte seinen Geist aufgegeben. Schnell hatte Sebastian Schuppa die Ursache gefunden: Die Verbindung des Kabels zum Dynamo war gestört. Schon nach wenigen Handgriffen ging dem Hinterrad ein Licht auf.

Fast 70 BesucherInnen hat Organisatorin Elisabeth Kammer an diesem Nachmittag gezählt, 17 HelferInnen trugen zum Erfolg bei. Nach drei Stunden unermüdlicher Arbeit war Feierabend. Doch das nächste Repair-Café kommt bestimmt, nämlich am

16. Januar 2016, wieder von 14 – 17 Uhr, Reparaturannahme bis ca. 16:30 Uhr.

Fragen beantwortet Elisabeth Kammer unter Tel. 040 - 46 77 93 25, E-Mail: info@martinierleben.de

Text & Bilder: Hans Loose

Dienstag, 20. Oktober 2015

Tüten kleben für die Nachbarschaft

Seit neuestem treffen sich unsere freiwilligen Helferinnen zum ‚Tüten kleben‘ in fröhlicher Runde: Für neu zugezogene NachbarInnen stellen wir eine MARTINIerLEBEN-Willkommenstüte zusammen mit Informationen über unseren Verein und Tipps zu Veranstaltungen und Beratungsmöglichkeiten im Quartier. Besonders für die vielen neuen BewohnerInnen der Bethanien-Höfe haben wir viel geklebt. 

Möchten Sie sich eine Willkommenstüte abholen oder eine an neue NachbarInnen verschenken oder haben Sie einen Tipp, was da noch reinsollte? Wir freuen uns auch über Firmen, die kleine Werbegeschenke beisteuern wollen.

Bildschirmfoto google maps
Unser nachbarschaftliches Quartier verorten wir in etwa im Bereich zwischen folgenden Straßen: Geschwister Scholl-Straße, Frickestraße, Martinistraße und Tarpenbekstraße (siehe Kartenausschnitt). Selbstverständlich freuen wir uns immer auch über Interessierte und MitmacherInnen aus dem weiteren Umkreis. Sagen Sie Bescheid - wir kleben Ihnen  gern eine!

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Halbachsig parken - mehr Bewegungsfreiheit auf dem Gehweg Frickestraße

Unsere AG Barrierefrei steht kurz davor, wieder eines ihrer Ziele zu erreichen: Am 28. September 2015 hat der Regionalausschuss einstimmig beschlossen, dass Autofahrer in der Frickestraße vor den Wohnstiften künftig mit zwei Rädern auf der Straße parken sollen. „Halbachsig“, wie die Verwaltungsleute sagen, um nicht den ohnehin schmalen Fußweg entlang der Wohnstifte weiter einzuengen. Heidemarie Lange von der AG Barrierefrei freut sich: „Die Abgeordneten aller Parteien haben unserem Anliegen zugestimmt.“ Heidemarie hatte gemeinsam mit Wolfgang Hinsch die Argumente der Arbeitsgruppe vorgetragen.

Mehr als fünf Jahre hat die AG für dieses Ziel gekämpft. Der Gehweg in der Frickestraße zwischen Schede- und Martinistraße vor den Wohnstiften: Bäume und zwischen ihnen Gehwegparker engen den Fußweg ein, auf eine Breite von lediglich 1,5 Meter. Beim ‚nachlässigen’ Gehwegparken vieler Autofahrer wird der Fußweg noch schmaler. Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen werden erheblich behindert.


MARTINIerLEBEN legte im Oktober 2010 ein Gutachten vor, in dem u.a. bereits auf die ‚Konflikte Frickestraße’ hingewiesen wurde. In mehreren Ortsbesichtigungen demonstrierte die AG Barrierefrei Politikern und Verwaltungskräften, dass selbst Personen ohne Handicap kaum neben den auf dem Gehweg parkenden Autos aneinander vorbei gehen können, ohne sich zu berühren. Noch schwieriger wird es für Menschen mit Rollator, und gar keine Chance haben einander begegnende Rollstuhlfahrer.

Während Mitglieder der AG (digitale) Fachliteratur wälzten, stießen sie auf Aussagen des Forschungsinformationssystems zu Bürgersteigen. Die vom Verkehrsministerium geförderten Wissenschaftler empfehlen bei Neubauten eine Gehwegbreite von mindestens 2,50 Metern - für Personen ohne Behinderung, wohlgemerkt. Für bestehende Gehwege gilt in Hamburg eine Mindestbreite von 1,50 Metern. Hilfreich war auch der Blick in die Verwaltungsvorschrift zur Straßen-Verkehrs-Ordnung. Zum Gehwegparken heißt es da: „Das Parken auf Gehwegen darf nur zugelassen werden, wenn genügend Platz für den unbehinderten Verkehr von Fußgängern gegebenenfalls mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrern auch im Begegnungsverkehr bleibt …“

Mit diesen Argumenten gut vorbereitet gingen Heidemarie und Wolfgang in die Regionalausschusssitzung. Wolfgang Hinsch: „Wir hoffen nun, dass Bezirksamt und Polizei den gemeinsamen Beschluss auch umsetzen.“ Eng wird es bei dieser Lösung natürlich trotzdem beim Passieren der Straßenbäume, die die Frickestraße alle paar Meter zieren. Jedenfalls noch.

Bilder: Wolfgang Hinsch und Hans Loose
Text: Hans Loose

Freitag, 4. September 2015

Wo bitte geht´s zum UKE?

Die KrankenhausbesucherInnen kommen aus OH, SE, STD, aus weiteren Umlandorten – und aus Hamburg. Viele dieser FahrerInnen lenken seit einigen Wochen Ihre Blechkisten durch unser Quartier, rat- und orientierungslos. Ihr Ziel, das UKE, ist aufgrund von Absperrgittern schwer zu erreichen. Die Bauarbeiter in der Martinistraße haben indes eine vorgegebene Aufgabe: Sie müssen im August und September dort das Busbeschleunigungsprogramm verwirklichen. Deshalb ist die Straße seit dem 3. August 2015 gesperrt. Betroffen sind gleich drei Haltestellen. Dabei ist eine behutsame Verkehrsführung für den Individualverkehr auf der Strecke geblieben.

Wer in diesen Wochen von der Lenhartz- oder Tarpenbek- in die Martinistraße einbiegt, um das Krankenhaus zu erreichen, hat schon verloren. In Höhe Frickestraße sollen Absperrgitter und Sackgassenschild an der Weiterfahrt hindern. Ein Hinweis, wie man aus der Sackgasse raus und doch ans Ziel kommt, fehlt an der Sperre. In ihrer Orientierungslosigkeit rollen viele trotzdem in Richtung UKE-Haupteingang. „Einige haben sogar versucht, über die Baustelle der Kinderklinik zum Krankenhaus zu kommen“, berichtet ein Arbeiter. Andere wenden auf der Kreuzung, wissen dann aber auch nicht weiter. Besonders oft genutzt wird die Ausweichroute nach rechts in unser Quartier-UKE- Besucher hoffen dann, über Fricke- und Geschwister-Scholl-Straße von hinten auf das UKE Gelände zu gelangen. Pech jedoch für einen Brummifahrer, der sogar versucht hat, von der Frickestraße nach 'Im Tale' abzubiegen. Er hat sich festgefahren; sein Laster wurde zur Straßen- Blockade. Erst mit Hilfe der Polizei konnte der LKW–Lenker seine Fahrt fortsetzen. Einige Anwohner und Nachbarn unseres Viertels erweisen sich seit Baustellenbeginn als Glücksengel: Sie dirigieren die Suchenden zurück über Martini- und Tarpenbekstraße rechts um die Kirche herum in die Breitenfelder. Wenn die so Gelotsten dann erneut rechts in die Curschmannstraße abbiegen, haben sie ihr Ziel direkt vor Augen.

Apropos Ordnungshüter: Die Verkehrsplanungs-Profis haben am Rechts-Abzweiger von der Tarpenbek- in die Martinistraße ein großes Sperr- und U1-Umleitungsschild aufgestellt. Wie es sinnvoll ist. Auf der anderen Seite, aus Richtung Bezirksamt, fehlt dieses Schild. Die Folge: Autofahrer landen ohne Warnhinweis an der Baustellen-Sperre. Inzwischen ist die Martinistraße in Richtung Eppendorfer Marktplatz als Einbahnstraße wieder frei. Auch die Busse halten wieder vor St. Martinus.

Am 19. September sollen die Bauarbeiten beendet sein, nachdem uns die Bau- und die Verkehrsbehörde noch mal eine Vollsperrung zwischen altem UKE-Hauptgebäude und Löwenstraße bescheren. Bis dahin wird trotz Warnschildern noch manch verlorene Seele aus dem Umland durch unser Viertel rollen. Eine Bitte daher an unsere Nachbarn: Seien Sie nett zu den Suchenden und weisen Sie ihnen den Weg! Wenn das Beschleunigungsprogramm fertig ist, wird ja ohnehin der eine oder andere Besucher mit dem Bus zum UKE fahren, hoffentlich jedenfalls!

Text und Bilder: Hans Loose

Dienstag, 25. November 2014

neues Eppendorf-Buch von Karin Kuppig

Elektrische Straßenbahnen,
Wagenbauanstalt Falkenried, 1891
(Eppendorfbuch, S. 124)
Mit dem Eppendorfbuch nähert sich die Stadtteilreihe des Junius-Verlags der Alster von Westen und erschließt in sechs Rundgängen Geschichte und Gegenwart einiger der exklusivsten Wohnstadtteile in Deutschland. Während sich die ersten drei Touren den verwaltungstechnisch zum Bezirk Eimsbüttel gehörenden Stadtteilen Harvestehude und Rotherbaum mit dem Grindelviertel widmen, führen drei weitere Spaziergänge durch das Herz von Eppendorf und über die südliche und nördliche Grenze des Stadtteils nach Hoheluft-Ost bzw. Groß Borstel.
Medikamententransport,
Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf, um 1890
(Eppendorfbuch, S. 156)
Ergänzt werden die mit zahlreichen historischen und aktuellen Bildern illustrierten Rundgänge durch eine historische Chronik, die Rubrik 'Leute aus Eppendorf ' sowie einen Adressteil mit empfehlenswerten Geschäften und Restaurants entlang des Wegs. Exkurse handeln u. a. vom neuen jüdischen Leben am Grindel, vom Soldatenalltag am Schlump, dem Klosterlandkonsortium, einer verwünschten Linde, von der Alsterflotte und der Alsterkanalisierung, von Stolpersteinen, der Ringbahnlinie und dem 'kommunistischen Eppendorf'.

Karin Kuppig
Eppendorfbuch
208 Seiten mit zahlreichen s/w-Abb.
Klappenbroschur, 13 x 17 cm
Euro 16,80 ISBN 978-3-88506-045-1
Junius-Verlag

Dienstag, 28. Oktober 2014

Eine Buche und zwei Nasen -
 Besuch in der AG Barrierefrei

Wie an jedem ersten Montag im Monat haben sich die Mitglieder der AG Barrierefrei im Kulturhaus Eppendorf versammelt. Heute steht ein besonderes Highlight auf dem Programm: Eike Deuter vom UKE berichtet über die aktuellen Baupläne zur neuen Kinderklinik. Der Projektleiter stellt sich den kritischen Fragen der ehrenamtlichen Barrierefreiheits-Aktivisten. Beherrschendes Thema für den Abend ist das UKE-Neubauprojekt. Anschließend gibt es Berichte vom Regionalausschuss und aktuelle Themen aus dem Quartier.


„Wir entwickeln das gesamte Gelände rund um eine 100 Jahre alte Hainbuche", berichtet der Dipl. Wirtschafts-Ingenieur. Das alte Areal der Orthopädie hat die Buche bereits überlebt, bisher verschonten Abrissbirne und Bagger den Baum ebenfalls. Auf Bildern zeigt Eike Deuter, wie verstreut die Einrichtungen für Kinder derzeit auf dem Krankenhausgelände liegen. Lange Wege zu Spezialabteilungen und in Operationssäle sind die Folge. 
Das soll sich in drei Jahren ändern: Bis zu 150 kleine Patienten können künftig im ‚Kinder-UKE’ gleichzeitig versorgt werden.

Die langlebige Hainbuche
Deuter: „Wir bieten kindgerechte Spitzenmedizin unter einem Dach." Auch für schwerkranke Kinder gibt es Angebote - sechs Plätze für Knochenmarktransplantation, weitere für Hämatologie und Onkologie. „Können denn Eltern mit aufgenommen werden?", möchte Christa Heidsieck-Hess wissen. "Elternbetten werden in jedes Zimmer gehören", kündigt der UKE-Planer an. In hübsch gestalteten Spiel- und Aufenthaltsräumen findet sich das Grün des alten Baumbestands wieder, aber auch Schiffsmodelle zum Klettern stehen bereit. „Maritime Elemente sind eine Verbeugung an die Sponsoren", schmunzelt Eike Deuter. In der Tat: Geldgeber werden für das Projekt noch dringend gesucht. 69,5 Millionen Euro kostet der Neubau; der Senat finanziert davon knapp ein Drittel. Rund 20 Millionen Euro sollen durch Unterstützer eingeworben werden. Projektleiter Deuter: „Das Kinder-UKE ist auf Spenden angewiesen, jeder Cent ist wichtig.“ Ein Satz, der zwar verständlich ist, jedoch bei einer Reihe von AG-Mitgliedern auf Unverständnis stößt: Schließlich ist Hamburg eine reiche Stadt, leistet sich Mega-Projekte wie die Elbphilharmonie und bewirbt sich nun auch noch für Olympia.

Weitere Informationen durch den UKE-Planer: Es wird keine neue Tiefgarage geben, geplant sind 38 oberirdische Besucherstellplätze. In dem Komplex wird auch ein Bistro eingerichtet. „Was ist mit dem barrierefreien Zugang?“, fragt Rollstuhlfahrerin Heike Wandke. Die Kinderklinik wird künftig zwei Zuwege von der Martinistraße aus haben, erfährt die Arbeitsgruppe: einen für Autos, den anderen für Fußgänger, auch mit Rollatoren. Nun bringen Elisabeth Kammer und Wolfgang Hinsch die Ampellösung ins Gespräch: eine zweite Querung der Martinistraße auf Höhe des Eingangs zum Eppendorfer Park. Sie würden es begrüßen, wenn das UKE dieses Anliegen unterstützen würde. „Die Gitter müssten allerdings verschwinden“, sagt Wolfgang. Dann kämen Fußgänger gefahrlos vom neuen Ausgang des Krankenhauses in den Park - und umgekehrt. „Derzeit sollen die Gitter Radfahrer abhalten“, erklärt Eike Deuter. Er sagt zu, die Idee mit seinen Kollegen zu besprechen. Heike und Elisabeth haben Fragen, die den Verkehr auf dem UKE- Gelände betreffen. „Wer kümmert sich um die Behindertenparkplätze?", möchte
Grafik: UKE
Heike wissen. Diese sind häufig zugeparkt. Ursache sind seit vier Monaten die vielen Baustellen, erfahren die Teilnehmer. Herr Deuter kündigt aber an: „Der Sicherheitsdienst kümmert sich um das Problem.“ Elisabeth kritisiert: „Es wird so viel gerast auf dem Gelände." Dazu Deuter: „Ansprechpartner ist das Beschwerdemanagement.“ Ihm sei das Problem allerdings noch nicht aufgefallen. Für alle, die über den Neubau des Kinder-UKE auf dem Laufenden bleiben wollen, hat das UKE eine eigene Website eingerichtet. Dort findet man einen Film über die neue Kinderklinik, kann per Webcam einen Blick auf die Baustelle werfen und schon mal die Geschosspläne begutachten.

Im Anschluss an Vortrag und Diskussion berichtet Heidemarie Lange von der letzten Sitzung des Regionalausschusses Eppendorf-Winterhude. Die AG hatte in einem Schreiben an den Ausschuss einige Vorschläge zur barrierefreien Umgestaltung des Quartiers gemacht. Das Schreiben konnte aus Zeitgründen nicht behandelt werden: Die Zukunft des Eppendorfer Marktplatzes (Tre Castagne) beherrschte die Diskussion. Daher planen Heidemarie und Wolfgang, am 12. November 2014 erneut den Ausschuss aufzusuchen. An dem Tag wird das Schreiben von MARTINIerLEBEN wieder auf der Tagesordnung stehen.

Neues gibt es von der gewünschten Querungshilfe in der Schedestraße: Die beiden Sperrflächen (die sogenannten Nasen) sollen noch in diesem Jahr kommen, hat Heike erfahren. Männer im Auftrag des Bezirksamts haben vor wenigen Tagen die künftige Sperrfläche vermessen. Künftig wird für Rollstuhl- und Rollatorfahrer der Weg über die Straße endlich sicherer und einfacher.

Text und Bilder: Hans Loose

AG barrierefrei
Stichworte: Altersgerechte Stadt, Barrierefreiheit, Mobilität, Gestaltung und Verbesserung des öffentlichen Raums für Kinder, Alte und Behinderte u.a..

Selbstdarstellung als pdf-Datei
Termin: jeden 1. Montag im Monat, 18.00 Uhr

Ort: Kulturhaus Eppendorf, Julius-Reincke-Stieg 13a (rollstuhlgerecht)

Kontakt: Wolfgang Hinsch, Tel. 480 31 19
Neue TeilnehmerInnen sind willkommen!

Sonntag, 12. Oktober 2014

75 köstlich-kulturelle Reisen - ‚Reisen & Speisen’ im Kulturhaus Eppendorf feiert Jubiläum

Am 25.10. geht es in Indiens wilden Nordosten.
Sie liebt es zu reisen: „Fremde Kulturen, ihre Menschen, ihren Alltag, ihre Feste und Lebenswelt kennenzulernen, bedeutet für mich ein Stück Lebenssinn“, sagt Silke Vetter. Seit 11 Jahren organisiert die Gastrosophin im Kulturhaus Eppendorf die monatlich stattfindende Veranstaltung 'Reisen & Speisen', die sich bei den Besuchern großer Beliebtheit erfreut und inzwischen über eine echte Fangemeinde verfügt.

Jedes Mal steht ein anderes Land im Mittelpunkt und wird mit einer Bildershow, mit Vortrag und landestypischem Bufett vorgestellt. Wechselnde Referenten und Fotografen gestalten diesen immer sehr lebendigen und interessanten Abend zusammen mit ihr. „Die Idee dazu hatte ich vor vielen Jahren zusammen mit einer Freundin und bin dann gleich auf die Suche nach einem Ort gegangen, wo ich meinen Wunsch umsetzen kann, meine Gäste nicht nur kulinarisch, sondern auch geistig zu nähren und ihr Fernweh zu beflügeln“, sagt Silke Vetter.

Diesmal ist sie in einer Region unterwegs gewesen, die die wenigsten unter uns kennen dürften. Den wilden Nordosten Indiens hat sie in diesem Frühjahr bereist: Arunachal Pradesh und Nagaland, wo Völker leben, die mit dem übrigen Indien nur wenig gemeinsam haben und z. T. bis ins 20. Jahrhundert Kopfjäger waren. “Allein im indischen Bundesstaat Arunachal Pradesh leben noch 26 größere Stammesvölker mit jeweils mehr als 5.000 Angehörigen und eigenen Sprachen“, schwärmt Silke Vetter. Viele Fotos und Videos hat sie von dort mitgebracht und zu einer spannenden Bildershow komponiert, die mit Originalmusik und einer Lesung aus dem Werk der Naga-Schriftstellerin Easterine Kire untermalt wird. Auch das köstliche von ihr selbst entworfene und zubereitete landestypische Bufett fehlt natürlich nicht.

Gastrosophin Silke Vetter
Am Samstag, dem 25. Oktober, kann man im Kulturhaus Eppendorf zum 75. Mal mit ihr auf die Reise gehen:

Reisen & Speisen
Indiens wilder Nordosten - Arunachal Pradesh und Nagaland
Samstag, 25. Oktober, 19.00
Kulturhaus Eppendorf
Julius-Reincke-Stieg 13a

Verbindliche Reservierung unter 040 / 481548 oder karten@kulturhaus-eppendorf.de.
Wenn Sie regelmäßig auf die nächste Reisen & Speisen-Veranstaltung hingewiesen werden wollen, bestellen Sie den Newsletter.


Foto: Stephan Wippermann
Und wenn Sie Appetit bekommen haben, merken Sie sich schon den nächsten Termin: Am 29. November geht es mit Bildern von Stephan Wippermann in den Westen der USA.

Dienstag, 26. August 2014

Die Ziegen von Martini


Sie sind die heimlichen Stars des Bauspielplatzes Eppendorf, kurz Baui genannt: zwei Zwergziegen. Jelly ist schwarz, Stine hat einen hellen Körper. Beide leben auf ihrem Hügel an der Frickestraße.
Ein Bericht von Manfred Korte.



"Vor drei Jahren haben wir die beiden aus dem Wildpark Schwarze Berge geholt", berichtet Baui-Chef Manfred Schulz-Tenz. Ihre Vorgängerinnen waren an Altersschwäche gestorben. Nun reißen sich die kleinen und großen Besucher darum, Jelly und Stine zu füttern - oder zumindest zu fotografieren. 
Denn die Lizenz zur Nahrungsgabe haben eigentlich die Mitglieder der Tiergruppe. Aber die trifft sich nur Donnerstags. Deshalb müssen an anderen Tagen pädagogische Honorarkräfte den Fütterjob übernehmen. und unter Aufsicht dürfen auch andere Kinder frisches Grün oder Apfelstücke reichen. Streicheln lassen mögen sich die Zicken ohnehin nicht.

Manfred Schulz-Tenz sagt: "Die Damen sind etwas schüchtern." Wenn Jelly und Stine der Trubel zu groß wird, ziehen sie sich auf ihre Anhöhe zurück: einen Teil des Ringwalles, der den ganzen Baui-Eppendorf bei seiner Gründung vor 40 Jahren umschloss. Bei schlechtem Wetter und nachts bietet das Tierhaus den Vierbeinern Schutz. Als Schulz-Tenz 1986 auf dem Platz anfing, stand dort noch ein Holzschuppen. "Meine Kolleginnen und ich haben das kleine Fachwerkhaus in Eigenregie erbaut", berichtet der Baui-Leiter. Unterstützt wurde sein Team von der langjährigen Honorarkraft Jens-Peter Jaeger, einem damals angehenden Bauingenieur.

 Seitdem leben die Ziegen in Wohngemeinschaft mit derzeit 12 Meerschweinchen.

Ausgebüxt sind Jelly und Stine noch nie. Ein über zwei Meter hoher Zaun hindert sie daran, auf die Martinistraße zu laufen und dort den Verkehr zu regeln. Gleichzeitig schützen dieser Zaun und eine Alarmanlage die Ziegen nachts vor unerwünschten Eindringlingen. 


Einige Kinder der beliebten Tiergruppe haben Patenschaften übernommen, andere beschränken sich darauf, den Ziegenstall auszumisten, zu säubern und ein wenig ätherisches Öl zu sprühen. Baui-Besuche durch Eppendorfer Jungbürger sind normalerweise freiwillig. Wer heute spielen will, der kommt. Wer morgen keine Lust hat, bleibt zu Hause. Nur bei der Tiergruppe ist die Teilnahme verpflichtend: Wer mitmachen will, hat drei Monate lang jede Woche einen Termin bei Jelly und Stine.

Auch die Baui-Hühner haben seit einigen Jahren ein eigenes Dach über dem Kopf. Das Freigehege ist eine Folge der Vogelgrippe - und einer entsprechenden Anordnung des Bezirks. Das Veterinäramt hält ohnehin ein wachsames Auge auf den Platz. Zwei Mal im Jahr kommt Dr. Dorette von Wedemeyer vorbei und schaut, ob alle Tiere gesund sind. Sie sind es.

Meine Hoffnung auf Ziegenkäse enttäuscht der Baui-Leiter: "Milchabgabe ist bei Zwergziegen nicht vorgesehen." Er lädt mich jedoch ein, Mitglied im Förderverein zu werden. Dann kann ich immer mal ein Hühnerei abholen.
Text und Fotos: Manfred Korte

Dienstag, 12. August 2014

80 BesucherInnen, acht Fachleute und ein Fahrradflüsterer

Elisabeth Kammer von MARTINIerLEBEN (6.v.l.) mit
ihren vielen HelferInnen (Foto: Hülya Souk)
Am 2. August 2014 hatte das Repair-Café von MARTINIerLEBEN erstmals für seine Gäste geöffnet. Neben den neun aktiven Fachleuten sorgten sieben weitere Freiwillige für abwechslungsreiche drei Stunden: Sie organisierten die Einlasskontrolle, verteilten Wartenummern, boten selbstgebackenen Kuchen an und betreuten die Gäste. Der 'Lecker Bäcker' aus der Geschwister-Scholl-Straße trug ebenfalls mit einer Kuchenspende zum leiblichen Wohl bei. Etwa 90 Gäste kamen an diesem Nachmittag und 74 Reparatur-Aufträge gingen an die Fachleute. Viele konnten vor Ort bearbeitet werden. Eine Reportage von Manfred Korte.

K-D v. Krug an einer der beiden
Fahrradstationen (Foto: Hülya Souk)
Beide Fahrradspezialisten haben ihren Arbeitsplatz gleich zu Beginn der Veranstaltung auf den Hof verlegt. So steht Besucherin Heidemarie Göbbel mit ihrem klapprigen Drahtesel bei Fritz Liebig auf der Matte. Gangschaltung und Vorderbremse funktionieren nicht, das Schutzblech des hinteren Rahmens ist defekt. 

Währenddessen treffen drinnen im Saal Menschen mit anderen kaputten Geräten, Schmuck und Kleidungsstücken auf Fachleute. Alle erhoffen sich Hilfe. Wegwerfen? Denkste! lautet das Motto des Repair-Cafés. An kleinen Tischen bedienen die Fachleute ihre Kundschaft. 

An einem der Plätze geht es um Ketten, bei denen das schwächste Glied versagt hat. Christiane Stübing hat ihre hübschen Schätze mitgebracht. Nun sitzt sie bei Miriam Hebner, einer Schmuckdesignerin. "Das breite Armband kann ein Uhrmacher kürzen", erklärt die Fachfrau. Eine Silberkette ist reparierbar, muss aber gelötet werden. Den gerissenen Schmuckdraht, an dem ein Amethyst hängt, kann Miriam vor Ort flicken: Ein kleines Stück Draht aus ihrem Ersatzteilkoffer schafft Verbindung. 

Rudolf Dunsing hilft Iris Wolf, ihren Karren flott
zu kriegen. (Foto: Manfred Korte)
Derweil arbeitet Möbel-Spezialist Rudolf Dunsing an der Achse eine Schubkarre. "Drei Umzüge waren einfach zu viel", berichtet Kundin Iris Wolf. Mit Schraubzwinge, Schrauben und viel Zuspruch gelingt es Rudolf, der früher Chemiker war, nach einiger Zeit den Holm zu stabilisieren. Er bringt die Räder wieder zum Rollen. Anschließend macht er sich an die Halterung. 

"Meine Mutter hat Näherin gelernt", erzählt Eva Wohland, "ich habe mir alles abgeschaut." Im Repair-Café gibt sie ‚Hilfe zu Selbsthilfe’, das ist das Prinzip der Repair-Cafés. Eine Bluse soll enger werden, eine Hose weiter. Eva hilft beim Abstecken, nähen muss die Kundin alleine. Kostenlos erhält Sie jede Menge praktischer Vorschläge. 

Sebastian Schuppa und Rafael da Cruz nehmen einen
Verstärker fachgerecht auseinander. (Foto: Manfred Korte)
Sebastian Schuppa schräg gegenüber öffnet zur gleichen Zeit einen großen alten Verstärker. Rafael da Cruz hat ihn in einer Jutetasche angeschleppt. Sebastian, von Hauptberuf Maschinenbauingenieur, kann nach der Überprüfung keinen Fehler feststellen: "Da müsste man mal die gesamte Anlage untersuchen." Der Ingenieur bedauert, in diesem Fall keine Lösung zu finden. Zuvor hat er bereits einen Ventilator repariert. Dessen Welle: festgefahren. Der Frischluftspender dreht nun wieder seine Runde. Auch die Instandsetzung einer Fernbedienung war eine leichte Übung: Ihr User hatte die Batterien falsch herum eingelegt. Ob ‚Hilfe zur Selbsthilfe’ auch für den Elektronikbereich gilt? "Je mehr der ‚Patient’ berichtet", erklärt Sebastian, "umso besser kann ich ihn unterstützen". 

Fritz Liebig 'flüstert' Heidemarie Göbbels Fahrrad heil.
(Foto: Manfred Korte)
Unterdessen schraubt Fritz (früher Bank- und Versicherungsfachmann) noch am Drahtesel seiner Auftraggeberin. Dreigangnabe und Vorderbremse hat er innerhalb von zehn Minuten eingestellt, nun einen Streifen Panzerband in der Hand. Mit ihm wird er den Riss im Schutzblech schließen. Heidemarie Göbbel ist begeistert: „Für mich ist der Fritz ein richtiger Fahrradflüsterer.“ 

Die Repair-Cafés sollen bei MARTINIerLEBEN zur festen Einrichtung werden und etwa viermal im Jahr stattfinden, das nächste bereits am 11. Oktober.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Bethanien-Höfe Eppendorf - Mitsommerfest mit Zirkuswagen

Mittsommerfest mit Zirkuswagen (Foto: Bethanien Diakonissen-Stiftung)
Ein frisch lackierter Zirkuswagen ziert seit einigen Tagen die Großbaustelle im Dreieck Fricke-, Martini- und Tarpenbekstraße. Während auf dem Gelände eifrig Handwerker den Rohbau der Bethanien-Höfe erstellen, können sich Interessierte ab sofort in dem Wagen über betreutes Wohnen und ein lebenslanges Wohnrecht informieren – und sich auch gleich eine Wohnung aussuchen. Die Bethanien Diakonissen-Stiftung hat den rollenden Oldtimer am 24. Juni auf einem kleinen Mitsommerfest präsentiert. Einige Diakonissinnen waren ebenfalls geladen, denn auch für sie entsteht ein neues Zuhause.

Foto: Rika Tjakea
"Der Zirkuswagen war bis 1963 im Einsatz", berichtet Dr. Annette Heilig von der Bethanien Diakonissen-Stiftung. 50 Jahre hatte der Zahn der Zeit an dem Gefährt genagt, der Lack war ab. Betreuungskräfte vom Haus Radeland, einer Einrichtung für psychisch kranke Menschen in Berlin Spandau, entschieden sich für ein Renovierungsprojekt. Gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern haben sie geschraubt, Löcher geflickt und morsche Holzteile ausgewechselt. Mehrere Fachleute haben das Projekt beim Einbau von Dämmung, moderner Fenstertechnik und der Küche unterstützt. Der schicke Wagen dient nun als Anlaufstelle und Vertriebsbüro für das Bauprojekt Bethanien-Höfe Eppendorf. Auf dem Gelände des ehemaligen Mutterhauses der Bethanien-Schwestern entsteht ein Gebäudeensemble, das sich um drei Höfe gruppiert. Die Schwerpunkte der Angebote sind vollstationäre Pflege für Menschen mit Demenz (123 Plätze) sowie betreutes Wohnen in 68 Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen im Haus am Park.

Foto: Rika Tjakea
Interessierte können sich nach Terminabsprache dienstags und mittwochs im Zirkuswagen beraten lassen (Tel. 040-23 53 780); mehr als 100 Nachfragen hat die Stiftung bereits bearbeitet. Der Zugang allerdings ist nicht barrierefrei: Wer den Wagen betreten will, muss acht Stufen erklimmen.

Das Wichtigste für die Diakonissen wird ihr neues Mutterhaus sein. Die Fassadengestaltung wird Elemente des Vorgängermodells aufnehmen. Dazu Dr. Heilig: „In dem neuen Backsteinbau werden geschichtsträchtige Teile, die vor dem Abriss gesichert wurden, einen neuen Platz finden - etwa eine Gedenktafel des früheren Bauherrn." Die Abteilung Hamburg-Nord der evangelisch-methodistischen Kirche findet im Erdgeschoss ebenfalls eine neue Heimat. Wir wollten von den Diakonissen wissen, was sie sich für Ihr neues Quartier wünschen. Und wie viele Schwestern auf unsere Ecke ziehen. Leider haben sie nicht geantwortet.

Grafik: Architekturbüro nps tchoban voss
Schade, dass im Neubau nicht - wenigstens einige - Wohnungen für junge Menschen oder Familien vorgesehen wurden. So bleiben ältere Menschen oder Kranke unter sich. Generationen gemeinsam in Eppendorf lautet allerdings das Motto des Netzwerks MARTINIerLEBEN, dessen Partner die Bethanien-Diakonissen-Stiftung ist. Als Begegnungsstätte für Jung und Alt könnten daher vielleicht die drei Höfe im Inneren der Anlage dienen, der Empfangshof: der zentrale Eingangsbereich der Bethanien-Höfe mit Zugang zum Neuen Mutterhaus, zum Haus am Park, zum Haus Bethanien (Pflegebereich) sowie zum öffentlichen Restaurant, der Begegnungshof: ein offenes Atrium mit Brunnen und Sommerterrasse des Restaurants sowie Gehölzpflanzungen und der Gartenhof mit vier verschiedenen Beetanlagen, darunter ein Natur- und Nutzgarten.

Foto: Rika Tjakea
Im Internet können Anwohner per Webcam den Fortschritt des Bauprojekts verfolgen. Im Zeitraffer sieht man den Bau rasant wachsen.
Im Herbst 2014 wollen alle Beteiligten Richtfeste feiern, im Sommer des nächsten Jahres den Neubau einweihen. „Der Zirkuswagen soll dann nach Brandenburg rollen", kündigt Annette Heilig an. Er wird dort in einem Jugendprojekt der Bethanien Diakonissen-Stiftung genutzt werden.
Manfred Korte