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Donnerstag, 15. November 2018

Schnell geschaltet - eine Zugangsrampe bei der ALDI-Filliale in Eppendorf

Am 1. November dieses Jahres wurde die neue ALDI-Filiale in der Osterfeldstraße eingeweiht. Heike W., ein langjähriges Mitglied bei MARTINIerLEBEN war zur Eröffnung da. Als Rollstuhlfahrerin achtet sie sehr auf Barrierefreiheit im Viertel und hat sofort bemerkt, dass der Zugang zu dem neuen Laden alles andere als barrierefrei war: aus der gewohnten Ausfahrt war ein Fußweg mit zwei Stufen geworden. Es gab zwar noch eine Ein- und Ausfahrt, doch die lag nun 50 bis 100 Meter vom Eingang entfernt.

Aus ihrem Blickwinkel bemerkte Heike zwei Herren im Anzug auf dem Parkplatz stehen, die sich die neue Filiale von außen anschauten. Sie sprach die beiden sogleich beherzt an: „Gehören sie zu ALDI? Sie sehen wichtig aus!“

Sie bejahten die Frage belustigt und so hat sie sie gleich auf die beiden Stufen hingewiesen. Sogleich sagten die Anzugträger, dass ihnen die Stufen auch aufgefallen seien. Es war ihnen sichtlich unangenehm, dass der Zugang für Menschen mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl erschwert beziehungsweise unmöglich gemacht war. So versprachen sie, die Hindernisse wieder zu entfernen. Meinten allerdings, dass es etwas dauern könnte. 

Eigentlich sollte es zur Normalität gehören, dass bei öffentlichen Bauvorhaben das Augenmerk auf barrierefreiem Zugang liegt. Das scheint noch nicht ganz in den Köpfen derjenigen angekommen zu sein, die solche Bauvorhaben planen und durchführen. Aber nun ist der Mangel erfreulicherweise bereits nach zwei Wochen wieder behoben worden.

Zum Glück. Unser Dank geht an ALDI und die beiden Herren im Anzug für das schnelle handeln.
Toll auch, dass Heike so schnell reagiert hat. Dieses Beispiel zeigt wieder, das bürgerliches Engagement Früchte tragen kann.

Montag, 23. Juli 2018

Mehr Barrierefreiheit im Eppendorfer Park


Rampe auf den Park-Hügel

Gut ein halbes Jahr lang haben Arbeiter das Gartendenkmal aufgehübscht: Wege wurden nach alten Plänen wieder hergestellt, niedrige Schutzgitter sichern nun Bäumen und Sträuchern ihren Raum – und sie reduzieren Trampelpfade. Und verdorrte Äste entfernt. MARTINIerLEBEN hatte sich frühzeitig in die Bürgerbefragung eingemischt und fünf Verbesserungsvorschläge zur Barrierefreiheit gemacht. Hier eine kurze Bestandsaufnahme:


Jogger
Die Einfahrt zum Bauspielplatz Frickestraße 1 unterbrach den Rundweg bisher durch Kopfsteinpflaster.
Rollstuhlfahrer*innen und Kinderwagen-Lenker*innen kamen ins Stocken oder Schlingern. Inzwischen ist das Kopfsteinpflaster durch neuen Belage ersetzt worden, was auch die Jogger*innen freut.


Spaziergänger Eingangsbereich
Der Eingangsbereich-West ist nicht nur hübsch umgestaltet worden. Auch die Stolperfalle links gleich beim Beginn des Rundgangs ist verschwunden.







Abzweig Binnenweg
Bei der Abzweigung des Binnenwegs gab es ebenfalls eine Stolperfalle. Regenwasser hatte sich auf seinem Weg in die Kanalisation eine tiefe Rinne gegraben. Die Rinne hat ihren Irrtum erkannt, die Abwasser fließen wieder in geordneten Bahnen.






Rolli-Fahrerin
 Der Weg auf den sogenannten Montgomery- Hügel war für Rolli-Fahrende durch Treppen bisher blockiert. Wir hatten daher eine Rampe vorgeschlagen, damit Menschen mit Handicap und Kinderwagen auf den Hügel gelangen können. Zu lang und zu teuer, so hieß es zunächst der Bezirksverwaltung.
Im Zuge der Planung hat man dort noch einmal nachgerechnet.


Anbau Bürgerhäuschen
Schließlich hatten zahlreiche Menschen in der Bürger Befragung wieder eine öffentliche Toilette für den Park gewünscht. Zu teuer, lautete die Antwort auf eine Anfrage bei der Stadtreinigung. Auch Hinweisschilder auf das Öffentliche WC im UKE sucht die/der Parkbesucher*in vergebens. 


Fazit: Bis auf das Toilettenproblem haben Politik und Verwaltung unsere Vorschläge unterstützt. Dank an Alle, die an der Umsetzung mitgewirkt haben.

Text und Fotos: Hans Loose

Donnerstag, 3. Mai 2018

AG Barrierefrei – rege im Stadtteil


Egal ob es um ausreichend Platz für Fußgänger*innen oder die Einführung  einer Tempo 30-Zone in der Martinistraße geht, die AG Barrierefrei ist noch immer aktiv und mischt überall mit auch wenn es keine regelmäßigen Treffen mehr gibt. Die Aktiven beobachten und analysieren, gehen zu den Sitzungen des Regionalausschusses Eppendorf-Winterhude und stellen Forderungen, damit für alle ein gutes Vorankommen in Eppendorf möglich wird.

Tempo 30 in der Martinistraße

Bald Tempo 30 vor den Bethanien-Höfen?
Aktuelle Pläne der Innenbehörde sehen vor, dass es künftig vor den meisten Schulen, Kitas, Seniorenheimen und Krankenhäusern in Hamburg Tempo-30-Zonen geben soll. Anlass für die Ausweitung des Tempolimits ist eine Änderung der Straßenverkehrsordnung im vergangenen Jahr. MARTINIerLEBEN hatte auf diesem Hintergrund bereits im Oktober letzten Jahres in einem Schreiben an die Innenbehörde Tempo 30 für die Martinistraße im Abschnitt zwischen Tarpenbekstraße und Frickestraße gefordert (siehe Link). Eine Antwort steht noch aus.

Mehr Platz für Radfahrende und Fußgänger*innen in der Martinistraße

Viele Gehwege in Eppendorf -
oft weniger als 1,5m breit
Im Regionalausschuss Eppendorf-Winterhude liegt derzeit eine Planung zur Förderung des Radverkehrs in der Martinistraße. Die dazu vorgeschlagenen Maßnahmen sollen mit einem barrierefreien Ausbau der Gehwege verbunden werden. Einige Mitglieder unseres Vereins haben sich vor Ort über die das Quartier betreffenden Vorschläge anhand der Pläne schlau gemacht. Die "Ergebnisse" dieses Rundgangs flossen  in ein Schreiben an den Regionalausschuss ein.  (siehe Link)



Donnerstag, 26. April 2018

AB ANFANG MAI: EPPENDORFER PARK WIEDER OHNE SCHUTZGITTER.


Die Arbeiten dauerten länger als geplant. Grund: die lang anhaltende schwierige Witterung. Zum einen hatten die intensiven Regenphasen den Boden so stark mit Wasser gesättigt, dass hier die Gefahr weiterer Schäden durch die Arbeiten bestand. „Zum anderen“, so Bezirksamtssprecher Daniel Gritz, „gab es im Anschluss die Frostphasen, die eine Weiterarbeit unmöglich gemacht hatten.“
Baum mit Schutzgitter
Nun sind die Wege westlich vom Hügel zur Curschmannstarße aufgehübscht. Große Teile der alten (und neuen) Bäume werden durch niedrige Bügel geschützt. Da ihre Wurzeln künftig nicht mehr Teil von Trampelpfaden sind, haben die Pflanzen wieder Luft zum Atmen. Bänke in Seniorenhöhe laden zum Verweilen.
Die neue Rampe
Eine neue Treppe führt zum Hügel hinauf. Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen gelangen erstmals über eine lange Rampe zum „Gipfel“; von  MARTINIerLEBEN erfolgreich in die Diskussion gebracht.
Austausch mit Besucher*innen am 20.05.2017
Auch die Gestaltung der übrigen Wege orientiert sich an Plänen des „Gartendenkmals“ von 1900. Der Einbau einer neuen Ausgleichsschicht und Wegedecke hat letzte Woche begonnen. In diesen Tagen setzen die Grünspezialisten weitere Pflanzen und säen Rasen.  Im Anschluss sanieren die Arbeiter die weiteren Wege im Westen, also östlich des Hügels bis zur Mittelachse - Stück für Stück. Daniel Gritz: „Diese Arbeiten werden ohne neue Absperrgitter voraussichtlich in den nächsten sechs Wochen abgeschlossen sein.“

Text und Bilder: Hans Loose

Freitag, 26. Mai 2017

Umgestaltung Eppendorfer Park -
bitte barrierefrei!

Teilnehmende der Begehung
Rita, Heike, Wolfgang und K-D auf Parkerkundung

MARTINIerLEBEN hat fünf Verbesserungsvorschläge für die geplante Eingangs-Umgestaltung des Parks erarbeitet. Diese sind an die Fraktionen im Regionalausschuss Winterhude-Eppendorf gegangen, an den Seniorenbeirat sowie an die Abteilung Stadtgrün im Bezirksamt.

1. Die Einfahrt zum Bauspielplatz Frickestraße 1 ist mit Kopfsteinen gepflastert. Rollstuhlfahrer*innen und Kinderwagen haben bei Umrundung des Parks Probleme, über dieses Pflaster zu fahren. Außerdem können Kinder mit Gehbeeinträchtigung nur über dieses Kopfsteinpflaster bzw. über Stufen zum daneben liegenden Spielplatz gelangen. Zu prüfen wäre daher, ob das Kopfsteinpflaster durch einen anderen Belag ersetzt werden kann.
Stolperfalle Eingangsbereich
Stolperfalle Eingangsbereich

2. Der Eingangsbereich West hat derzeit eine Stolperfalle – nicht nur für Behinderte. Wir gehen davon aus, dass dieser Höhenunterschied im Zuge der Umgestaltung aufgehoben wird.





Wasserrinne
Wasserrinne
3. Im Abzweig des Binnenweges hat das Wasser sich einen eigenen Weg quer zum Abzweig gebahnt: eine Stolperfalle für Spaziergänger/Jogger und Rollifahrer. Hier sollte durch geeignete Maßnahmen das Abwasser wieder in die vorgesehene Bahn gelenkt werden.
Rollifahrer können die Stufen nicht überwinden
Endstation für Rollifahrer*innen
4. Für Rollstuhlfahrer*innen endet der "Aufstieg" zum Hügel bisher an mehreren Stufen. Im Zuge der Umgestaltung der Zugänge sollte es künftig auch ihnen möglich sein, auf die kleine Anhöhe zu gelangen. Denkbar ist z.B. eine gebogene Rampe auf dem geplanten südlichen Zugang zum Hügel. 


Das frühere Toilettenhäuschen
Das frühere Toilettenhäuschen
5. Der Park sollte eine barrierefreie öffentliche Toilette erhalten.


Text und Bilder: Hans Loose 

Dienstag, 9. Mai 2017

U-Bahn Klosterstern –
barrierefrei, aber noch nicht ganz

Kurs Barrierefreiheit- Schachbrett, große Schilder, Aufzug und Lückenfüller

Gapfiller im Übergang
Die U1-Haltestelle Klosterstern ist ab sofort barrierefrei zugänglich. Für Menschen mit Handicap, Eltern mit Kinderwagen und ältere Fahrgäste macht der neue Aufzug an der Einmündung des Eppendorfer Baum in den Klosterstern die Nutzung der U1 deutlich
Mit großem Schritt

komfortabler.“ Mit diesen Worten präsentierte die Hochbahn am 20.12.2016 den Umbau der Station. Im Zuge der Bauarbeiten wurde der Bahnsteig erhöht und mit taktilen Leitsystemen für sehbehinderte Fahrgäste versehen sowie die Rolltreppen erneuert.
Was für den Zugang zur Haltestelle gilt, funktioniert jedoch noch nicht zu 100 Prozent auf dem Bahnsteig. Denn der liegt in Richtung City in einer Rechtskurve. Und diese Kurve macht noch immer Probleme: zwischen U-Bahn und gebogenem Bahnsteig hat zunächst ein gefährlicher Spalt geklafft, teilweise 15 cm breit. Pia Gängerich von der Hochbahn: „Haltestellen gelten nur dann als barrierefrei, wenn zwischen Zug und Bahnsteig in Höhe und Abstand weniger als 5 cm liegen.“ Deshalb hat die Hochbahn im März sog. Gapfiller installiert – ein Art Lückenbüßer zwischen
mehr als ein fußbreit Abstand
Mehr als ein fußbreit Abstand
Bahnsteigkante und Zug. Auf dieses Gummiprofil kann man drauftreten und -rollen, sie sichern den Übergang in den Waggon. Das gilt vor allem für RollstuhlfahrerInnen, die bekanntlich ihren Zugang zur Bahn am großen Schachbrett finden.
In einer sechsmonatigen Testphase prüfen nun Sensoren, wie viele Züge diese Kunststoff-Kämme berühren. Eigentlich dürfte nichts passieren, denn selbst bei Testfahrten mit Bau- und Museumszügen hat keiner die Gummikämme tuschiert. Helmut Krumm vom Seniorenbeirat ist zufrieden. Zwei Jahre haben Beirat, Behindertenverbände und Hochbahn darüber diskutiert, wie das Problem der Lücke gelöst werden kann. Im letzten Jahr wurde in Australien eine Lösung gefunden, die jetzt hier als Versuch erstmals am Klosterstern zum Zuge kommt.
Helmut Krumm - Seniorenbeirat
H.Krumm:Zugang für Rollifahrer
Wenn der Gapfiller seine Probezeit besteht, soll er auch an anderen Haltestellen zum Einsatz kommen. Unterdessen haben mehrere Eppendorfer bemängelt, dass vor allem an den ersten und letzten Waggons noch immer große Lücken zum Bahnsteig bestehen. Hier ist noch Handlungsbedarf. Helmut Krumm: „Überall, wo große Abstände sind, sollten Gapfiller eingesetzt werden. Damit die Fahrgäste an allen Türen gefahrlos ein- und aussteigen können.“ Einstweilen ist die Station Klosterstern noch nicht barrierefrei, sondern auch offiziell lediglich „barrierereduziert“. 

Text und Fotos: Hans Loose

Donnerstag, 6. April 2017

Das Thema ist noch lange nicht erledigt



Eindrücke und Ergebnisse der 9. Ideen- & Planungswerkstatt

Unter dem Motto Stufen, Kanten, Stolperfallen hatte MARTINIerLEBEN am 1. April zu einer Ideen- & Planungswerkstatt eingeladen, bei der die barrierefreie Teilhabe für alle Menschen im Fokus stand.

Neben einer Podiumsdiskussion mit Fachleuten aus Politik und Verbänden, wurden in diesem Zusammenhang die Erfolge der AG barrierefrei und der Stadtteilführer Eppendorf hürdenlos vorgestellt.
Klaus Kolb
Doch zunächst hatte Klaus Kolb, Geschäftsführer vom Kulturhaus Eppendorf und Gründungsmitglied von MARTINIerLEBEN, die Veranstaltung eröffnet. Er erinnerte an den Um- und Ausbau des Quartiers, der vor über neun Jahren begann. Einerseits war die Schließung des Krankenhauses Bethanien ein Thema, andererseits die „wertvoll Perle Wohnstifte“ in denen über 600, meist ältere Menschen wohnen, darunter viele Rollstuhlfahrer*innen. „In unserem Quartier werden beispielhaft Lösungen für barrierefreie Situationen gesucht“, sagte Kolb, „eine altersgerechte Stadt sollte von uns mitgestaltet werden.“
Elisabeth Kammer von MARTINIerLEBEN gab anschließend einen Rückblick auf acht Jahre „AG Barrierefrei“. Sie erinnerte an eine ganze Reihe erfolgreich umgesetzter Maßnahmen:

  •  den für Rollstuhlfahrende abgesenkten Briefkasten
  •   die Umgestaltung des Platzes Ecke Schede- und Frickestraße – mit zwei seniorengerechten Bänken „Louise“
  • den Austausch von Rhein- und Kopfsteinpflaster in ebene Gehwegplatten bei 13 Einfahrten
  • Schaffung eines Fahrradweges durch die Asphaltierung der Sackgasse Frickestraße zwischen Breitenfelder- und Martini-Straße
Um die Verbesserungen zu erreichen, mussten oft viele Telefonate und Gespräche geführt werden. Auch Besuche und Eingaben beim Regionalausschuss gehörten dazu. Was dazu führte, dass 2011 das Gebiet um das ehemaligen Krankenhaus Bethanien („Dreieck“ zwischen der Fricke-, Schede-, Tarpenbek- und Martinistraße) vom Regionalausschuss als Musterquartier ausgezeichnet wurde.

Der druckfrische Stadtteilplan ist da!
Daraufhin stellten Pastor Uli Thomas von St. Martinus und die Projektleiterin Elisabeth Kammer den gemeinsam erarbeiteten Barrierefreien Stadteilführer „Eppendorf hürdenlos“ dem Publikum vor. Damit geht ein generationsübergreifendes Projekt nach gut einem Jahr zu Ende, an dem sowohl (ehemalige) Konfirmand*innen von St. Martinus als auch Rollstuhlfahrer*innen aus der Nachbarschaft (u.a. Zinnendorf Stiftung) mitgewirkt hatten. Rund 160 Anlaufadressen sind in dem großen Faltblatt gleich doppelt erfasst: als farbige Punkte auf einer Straßenkarte sowie als Eintrag im Text. Dabei wurden sowohl die Kontaktdaten der Geschäfte und Einrichtungen als auch Faktoren wie Fahrstuhl oder Rolli-Toilette dokumentiert. „Es war ein pädagogischer Selbstversuch“, erklärte Pastor Uli Thomas. Denn gesunde Jugendliche übten sich nicht nur als Rollstuhlfahrende, sie erlebten auch, wie sie an 2 cm hohen Kanten, an kurzen Ampelphasen, an Stufen vor Hauseingängen scheiterten. Uli Thomas: „Das war für alle Beteiligten eine interessante Erfahrung.“ Nach der Erfassung der Daten verbrachten die Projektleiterin und die Grafikerin Anja Escherich viele Stunden damit, die Daten aufzuarbeiten und zu Papier zu bringen.
Die Arbeit von MARTINIerLEBEN ist sicher beispielhaft auch für andere Stadtteile. Denn das Thema Barrierefreiheit ist noch lange nicht erledigt. Zugeparkte Wege, zu kurze Ampelschaltungen oder erschwerende Stufen und Treppen –  Handlungsbedarf besteht an vielen Stellen. Auch in Eppendorf, zum Beispiel:
  • die DHL-Station in der Eppendorfer Landstraße ist nur über eine Stufe erreichbar
  • den Fußweg in der Frickestraße verbreitern durch halbachsiges Parken 
  • die Ampelschaltung Schottmüller-/Breitenfelder Straße – Autos blockieren den Fußgängerweg, wenn diese auf Grün wechselt
  • das Holthusen-Bad ist nur über zehn Stufen erreichbar
In der darauffolgenden Podiumsdiskussion äußerten sich die Diskutanten über ihre Erfahrungen und ihren persönlichen Zugang zum Thema Barrierefreiheit.


So berichtete Sina Imhof (Vorsitzende des Regionalausschusses DIE GRÜNEN in Eppendorf/Winterhude) von ihren Erfahrungen, sich mit dem Kinderwagen im Hauptbahnhof zurecht zu finden, trotz Nutzung mehrere Fahrstühle. Frau Imhof berichtet außerdem von der Aggression, die ihr teilweise entgegenschlägt, wenn sie Falschparker auf Behindertenparkplätzen auf ihr Fehlverhalten anspricht. Sina Imhof wünscht sich, dass in der Politik die Belange der Behinderten grundsätzlich berücksichtigt werden. Erfolge der letzten Jahre sieht sie z.B. in der Absenkung der Bürgersteige. „Teilhabe ist keine Gnade und von dem Wohlwollen anderer abhängig, sondern ein Menschenrecht“, betont die Juristin.

Johannes Köhn (Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen – LAG) freut sich, dass er und seine Mitstreiter*innen bei der Hochbahn Erfolge erzielen konnten: seit 2011 werden alle Haltepunkte nach und nach barrierefrei ausgebaut. In fünf Jahren sollen alle Stationen einen Fahrstuhl haben. Er betont, dass nur 5% der Menschen mit Einschränkungen mit einer Behinderung geboren werden. 95% werden erst im Laufe ihres Lebens beeinträchtigt. Er weiß, dass Inklusion nicht umsonst zu haben ist, aber wenn die Barrierefreiheit einmal eingeführt würde, profitierten alle davon. Johannes Köhn hofft, dass in den Köpfen von Planer*innen etwas passiert. Sie sollten nicht erst ein Haus bauen und dann Barrierefreiheit aufsatteln. „Inklusives Design“ ist die Zauberformel.


Ingrid Körner (Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen) stört es, dass selbst bei Umbauten öffentlicher Gebäude Barrierefreiheit häufig eine untergeordnete Rolle spielt. Es wird zwar mehr für die Barrierefreiheit getan als früher, doch fällt es insbesondere Planer*innen und Architekt*innen schwer, die Belange der Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen in ihre Entwürfe einzubeziehen. „Die Haltung ist oft eine starke Barriere“, betont Körner. „Doch leider wird sie nicht so schnell verändert, wenn kein Druck da ist.“ Noch ist es so, dass private Träger*innen beim (Um-)Bau eines Hauses nicht an Auflagen bezüglich Barrierefreiheit gebunden sind. Außerdem wäre ihr wichtig, dass Behörden in Zukunft statt einem unverständlichen Amtsdeutsch eine einfache Sprache benutzen, damit alle Adressat*innen die Botschaft besser verstehen.
Frau Körner war von dem Stadtteilführer und davon, was MARTINIerLEBEN in Bezug auf Barrierefreiheit für dieses Quartier bereits getan hat, so sehr begeistert, dass sie den Verein für die Auszeichnung „Wegbereiter der Inklusion“ vorschlagen möchte.

... barrierefrei? Da ist noch Luft nach oben!
Heike Wandke, Rollstuhlfahrerin aus Eppendorf und aktives Mitglied bei MARTINIerLEBEN, appelliert an alle, sich einzumischen, wenn Autos fälschlicherweise den Behindertenparkplatz blockieren. Auch möchte sie nicht jedes Mal als Bittstellerin erscheinen und schiefe Blicke ernten, wenn sie in den Bus einsteigen möchte. Selbst bei dieser Veranstaltung, wo es doch um Barrierefreiheit geht, kann sie die Stufen zum Podium nicht ohne Hilfe überwinden, weil keine Rampe angebracht wurde. Heike Wandke freut sich, wenn ihr im Alltag Hilfe angeboten wird. Sie hofft jedoch, dass die hilfsbereiten Mitbürger*innen sich nicht vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn sie im Einzelfall dankend ablehnt. Ihr Wunsch wäre es, nicht mehr nachdenken zu müssen, bevor sie etwas unternehmen möchte, sondern einfach losgehen oder losrollen zu können, ohne erst recherchieren zu müssen, ob etwas barrierefrei zugänglich ist. Denn das gehört zu einem selbstbestimmten Leben dazu.

Zum Schluss wurden Anmerkungen oder Anregungen aus dem Publikum aufgenommen und diskutiert. Eine Teilnehmende meinte, dass auch dieses Mal bei der Barrierefreiheit nur Mobilitätseingeschränkte gemeint wären und Menschen mit kognitiven Einschränkungen, die akustische oder visuelle Hilfestellungen bräuchten, nicht berücksichtigt wären. Andere Anregungen waren:
  •  Behindertentoiletten – sie sind für Rollstuhlfahrende oft viel zu eng
  • Der Fahrstuhl am Marie-Jonas-Platz sollte für Behinderte nutzbar sein, um auf den Gehweg zu kommen 
  • Eine öffentliche Toilette für den Eppendorfer Park 
  •  Längere Ampelschaltungen
  • Türen im Kundenzentrum Hamburg-Nord öffnen sich nicht mehr automatisch: Knöpfe sind da, funktionieren aber nicht
  • Der große Saal des Bezirksamtes hat jetzt auch eine Induktionsanlage (für Hörgeschädigte), ohne dass das bisher kommuniziert wurde

Letztendlich sei es eine Frage des Menschenbildes, meinte eine Besucherin, ob ich es normal finde, verschieden zu sein oder nicht. Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass Hamburg eine barrierefreie Stadt werden soll. Doch bis es soweit ist, muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, denn Barrierefreiheit beginnt in den Köpfen.