Dienstag, 19. Januar 2016

Künstlerische Aktionen im Martini-Quartier

Studierende wollen Schwung in das
nachbarschaftliche Leben bringen
Das soziale und kulturelle Leben im Quartier zwischen Martinistraße, Tarpenbekstraße und UKE ist vielfältig. Zum Beispiel das Kulturhaus Eppendorf ist Knotenpunkt vielfältiger Aktivitäten. Dem steht das andere Quartiersleben vieler älterer Bewohner gegenüber, das fast nur hinter Mauern stattfindet – in Einrichtungen und Wohnstiften. Spaziert man durch die Schede- und Frickestraße, blickt man auf ehrwürdige alte Fassaden, die historischen Charme ausstrahlen, leider aber oft mit Verschlossenheit und Exklusion einhergehen. Im Martini-Quartier gibt es mehr Single-Haushalte mit alleinstehenden älteren Menschen als irgendwo sonst in Hamburg.

Der Verein MARTINIerLEBEN hat sich zur Aufgabe gemacht, das soziale Leben im Quartier zu beleben. Die Menschen sollen hier generationsübergreifend zusammenleben und ihre persönlichen Begabungen in kreativer Weise entfalten können. Ein solcher Lebensraum ist sogar gesundheitsfördernd. Er bietet zudem Raum zur Fürsorge für kranke und alte Menschen, Kindern und Familien, unabhängig von professioneller Hilfe.

Jetzt erhält MARTINIerLEBEN Unterstützung künstlerischer Art durch Studierende des Studiengangs Expressive Arts in Social Transformation an der MSH Medical School Hamburg. Eng abgestimmt mit den Bedürfnissen der Bewohner des Martini-Viertels werden die Studierenden in den kommenden Wochen Nachbarschaft, Intergenerativität und Individualität erlebbar machen. Eine Serie künstlerischer Aktionen bringt die besondere intermediale Qualität des Studiengangs mitten ins städtische Leben: Straßentheater, Fotografie, Poesie und Performance. Thematisiert wird: Isolation, Barrieren und die Potentiale von Begegnung und Interaktion. Auch der Umbau des ehemaligen Bethanienkrankenhauses zum sozialen und kulturellen Zentrum Martini44 soll genutzt werden. Ihren Höhepunkt finden die Aktionen im großen Kunstevent Kunstklink 2016, das am 18. und 19. Juni im Quartier stattfinden wird.

Dienstag, 12. Januar 2016

Dunkle Gehwege und eine unveröffentlichte Richtlinie

Seit über einem Jahr bemühen sich Mitglieder des Vereins MARTINIerLEBEN um mehr Licht auf den Wegen des Quartiers - mit eingeschränktem Erfolg. Dabei wohnen im Bereich von Schede-, Fricke-, Tarpenbek- und Martinistraße über 600 ältere Menschen; viele von ihnen sind nur eingeschränkt mobil. „Gerade für sie sind Sicherheit und Wohlbefinden im öffentlichen Raum ein entscheidender Faktor für ihre Teilnahme am öffentlichen Leben", erklärt Wolfgang Hinsch von der AG Barrierefrei des Vereins. In einem Brief im Januar 2015 an den zuständigen Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) kritisiert Hinsch: „Es gibt keine einheitlichen Lichtverhältnisse. Die Lichtquelle der Bogenleuchten ist hauptsächlich auf Fahrwege gerichtet – und nicht auf die Gehwege. Ihre Ausleuchtung ist teilweise von Straßenseite zu Straßenseite unterschiedlich.“ Beispielsweise in der Schedestraße: „Der Abstand zwischen zwei Bogenlampen ist mit 50-60 Metern etwa doppelt so groß wie in den benachbarten Straßen." Die AG Barrierefrei hat daher vorgeschlagen, Straßenleuchten so nachzurüsten, dass unterhalb der vorhandenen Lichtquelle eine zusätzliche, auf den Gehweg gerichtete Leuchte angebracht wird.

Der LSBG sieht in seinem Antwortschreiben keinen Handlungsbedarf. Er beruft sich auf den ‚Hamburger Beleuchtungsstandard für vergleichbare Straßen‘. Immerhin kündigt der Landesbetrieb an, mit einem Rückschnitt der Bäume in der Schedestraße mehr Licht zu schaffen. Details zum ‚Beleuchtungsstandard‘ bekommt MARTINIerLEBEN zunächst nicht. Auf intensive Nachfrage nennt Gérard Rose, Fachbereichsleiter Management Technische Anlagen, Details zu diesen LSBG-Standards: „Hauptverkehrsstraßen mit diversen Nutzern werden grundsätzlich heller beleuchtet als ruhige Anliegerstraßen. Auf Hauptverkehrsstraßen ist der Abstand der Maste abhängig von deren Höhe. Im Bestand sind Regelabstände von ca. 30 bis 40 Metern anzutreffen, seltener 45 Meter. Die Abstände weichen in der Praxis geringfügig von den Regelabständen ab […] In für den Verkehr untergeordneten Straßen (z.B. Wohnstraßen, Anliegerstraßen) sind Abstände von 60 Metern zwischen den Masten vorgesehen.“

Den Wunsch auf Einblick in die erwähnte Beleuchtungsrichtlinie weist Rose zurück. „Ein internes Arbeitspapier für den internen Dienstgebrauch", erklärt er. Weitergabe? Nicht möglich. Bei Licht betrachtet plant und arbeitet der Landesbetrieb in Beleuchtungsfragen damit weitgehend unkontrolliert. Und das macht Veränderungen im Beleuchtungskonzept zum Nutzen der Eppendorfer BürgerInnen schwierig.

Eine Vermutung hat sich Wolfgang Hinsch nach den Recherchen von ME aufgedrängt: „Auf Fußgänger ist die fragliche Richtlinie nicht ausgerichtet. Es geht schwerpunktmäßig um die Beleuchtung der Straßen, nicht der Gehwege.“

Bilder und Text: Hans Loose

Dienstag, 22. Dezember 2015

Adventsgrüße


Liebe Nachbarinnen und Freunde! Am 1. Dezember haben wir ein fröhliches MARTINIerLEBEN-Adventscafé in der Begegnungsstätte Martinistraße gefeiert. Pastor Veit Buttler versetzte uns mit einer kleinen Einführung in weihnachtliche Stimmung und hatte einige Gedichte dabei. Marthe Friedrichs hatte etwas Ringelnatz und vor allem eigene Gedichte und Geschichten dabei und unter Rika Tjakeas Leitung wurden gemeinsam Weihnachtslieder gesungen.

Ein schönen Weihnachtsgruß von Marthe dürfen wir hier veröffentlichen.
Wir wünschen allen ein frohes Fest!


Weihnachten – Fest der Gaben,
für jene, die schon alles haben.

Das Tauschgeschäft zum großen Fest,
das keinen ungeschoren lässt:
Man kriegt nur was, wenn man was gibt
von Leuten auch, die man nicht liebt
Und gibt noch mehr als letztes Jahr,
damit man ja nicht geizig war.
Weihnachten, das Fest der Gaben:
Alle woll’n nur haben, haben!
Damit die Menschen Gutes denken,
von dir, MUSST du sie kaufen – schenken!

Wo ist der alte Brauch geblieben,
wo man zu diesem Fest den Lieben,
derer man auch gern gedachte,
einfach ’ne kleine Freude machte?
Zusammensein das Größte war
mit denen, die man gerne sah?
Das Tauschgeschäft? Einfach vergessen!
Zusammen lachen, schwatzen, essen
und wieder mal nicht nur dran denken -
sich und auch anderen ZEIT zu s c h e n k e n!

In diesem Sinne statt ’ner Karte 
denk’ ich an euch und grüß’ euch
Marthe 
©mf  22.12.2014


Marthe gibte es auch hier und hier im Netz.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Janosch-Oscar für das MARTINIerLEBEN NachbarNetz

Unser Weihnachtsgeschenk: Wir haben den Janosch-Oscar bekommen, eine von Janosch gestaltete Siegerurkunde des Bundeswettbewerbs 'Die schönsten Nachbarschafts-Aktionen 2015' des Netzwerks Nachbarschaft. Damit machen wir mit Brief und Siegel "vorbildliche Nachbarschafts-Aktionen mit herausragendem Engagement". Dazu gab es zwei tolle große Spiele vom Sponsor Hans im Glück, die wir bald ausprobieren wollen!
Jippieh!

Donnerstag, 5. November 2015

Kaputter Diabetrachter und ein zu langer Rock – zum Wegwerfen viel zu schade

MARTINIerLEBEN hatte am 31. Oktober erneut zum Repair-Café Eppendorf geladen. Bereits zum 6ten Mal wurde im großen Saal des Kulturhauses Eppendorf nachmittags gebohrt, geschnitten, genäht und geschraubt. Bei herbstlichem Wetter waren die Besucherinnen und Besucher keineswegs nur aus dem Stadtteil gekommen, eine ältere Dame sogar per Fahrrad aus Hummelsbüttel.

Im Gepäck hatten die Gäste Diverses, was irgendwie nicht mehr funktionierte. So rückte Rosi Sobiech mit ihrer 14 Jahre alten Brotschneidemaschine an. An der Sollbruchstelle hatte das Kabel schlappgemacht. Helmut Treffler, Techniker, wie die anderen Helferinnen und Helfer ehrenamtlich im Einsatz, konnte das Kabel kürzen, neu anschließen und dem Schneidewerkzeug wieder zu Saft verhelfen.

Unterdessen bemühte sich Ernst Irion, einen 32 Jahre alten Sony Kassettenplayer wieder zum Leben zu erwecken. Schließlich sind Musikkassetten wieder voll im Trend. Nach kurzer Funktionsprüfung und einigen Tropfen Spiritus funktionierte der Vorlauf wieder, wenn auch zunächst nur mit Knattern.
Hilfe zur Selbsthilfe (dem Motto des Repair-Cafés entsprechend) leistete derweil Ute Plätzer. Sie half einer Besucherin, ihren liebgewonnenen blauen Rock zu kürzen. Wichtig ist dabei auch, so erfuhr der Reporter, vorher zu klären, ob der Rock mit niedrigen oder hohen Absätzen getragen werden soll. Ute fixierte den Saum am Rock, anschließend setzte sich ihre Ratsuchende zu Haus an die Nähmaschine.

Während Viktor Ehlers sich über einen gut erhaltenen Diabetrachter her machte – der Schlitten klemmte -, war Thomas ebenfalls in der Elektroabteilung aktiv. Ilona Neckermann hatte ihm ihren High-Tech-Radiowecker präsentiert -ausgestattet mit an die 15 Tasten und Einstellschrauben und erst vier Jahre alt. Das Radio funktionierte, nicht aber das Nachtlicht. Professionell nahm Thomas ebenfalls eine Funktionsprüfung vor, mutmaßte, dass eventuell der Sensor kaputt sei. Doch da wollte er sich nicht ranmachen. Er schlug Frau Neckermann vor, ihren Fachhändler aufzusuchen.

Auf der Bühne drehte sich alles ums Rad. Eine ‚Kundin’ war Anja Messerschmidt: Seit sechs Jahren hatte sie ihren Drahtesel vor der Tür geparkt. Der Alu-Rahmen war gut erhalten, doch das Rücklicht hatte seinen Geist aufgegeben. Schnell hatte Sebastian Schuppa die Ursache gefunden: Die Verbindung des Kabels zum Dynamo war gestört. Schon nach wenigen Handgriffen ging dem Hinterrad ein Licht auf.

Fast 70 BesucherInnen hat Organisatorin Elisabeth Kammer an diesem Nachmittag gezählt, 17 HelferInnen trugen zum Erfolg bei. Nach drei Stunden unermüdlicher Arbeit war Feierabend. Doch das nächste Repair-Café kommt bestimmt, nämlich am

16. Januar 2016, wieder von 14 – 17 Uhr, Reparaturannahme bis ca. 16:30 Uhr.

Fragen beantwortet Elisabeth Kammer unter Tel. 040 - 46 77 93 25, E-Mail: info@martinierleben.de

Text & Bilder: Hans Loose

Dienstag, 20. Oktober 2015

Tüten kleben für die Nachbarschaft

Seit neuestem treffen sich unsere freiwilligen Helferinnen zum ‚Tüten kleben‘ in fröhlicher Runde: Für neu zugezogene NachbarInnen stellen wir eine MARTINIerLEBEN-Willkommenstüte zusammen mit Informationen über unseren Verein und Tipps zu Veranstaltungen und Beratungsmöglichkeiten im Quartier. Besonders für die vielen neuen BewohnerInnen der Bethanien-Höfe haben wir viel geklebt. 

Möchten Sie sich eine Willkommenstüte abholen oder eine an neue NachbarInnen verschenken oder haben Sie einen Tipp, was da noch reinsollte? Wir freuen uns auch über Firmen, die kleine Werbegeschenke beisteuern wollen.

Bildschirmfoto google maps
Unser nachbarschaftliches Quartier verorten wir in etwa im Bereich zwischen folgenden Straßen: Geschwister Scholl-Straße, Frickestraße, Martinistraße und Tarpenbekstraße (siehe Kartenausschnitt). Selbstverständlich freuen wir uns immer auch über Interessierte und MitmacherInnen aus dem weiteren Umkreis. Sagen Sie Bescheid - wir kleben Ihnen  gern eine!

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Halbachsig parken - mehr Bewegungsfreiheit auf dem Gehweg Frickestraße

Unsere AG Barrierefrei steht kurz davor, wieder eines ihrer Ziele zu erreichen: Am 28. September 2015 hat der Regionalausschuss einstimmig beschlossen, dass Autofahrer in der Frickestraße vor den Wohnstiften künftig mit zwei Rädern auf der Straße parken sollen. „Halbachsig“, wie die Verwaltungsleute sagen, um nicht den ohnehin schmalen Fußweg entlang der Wohnstifte weiter einzuengen. Heidemarie Lange von der AG Barrierefrei freut sich: „Die Abgeordneten aller Parteien haben unserem Anliegen zugestimmt.“ Heidemarie hatte gemeinsam mit Wolfgang Hinsch die Argumente der Arbeitsgruppe vorgetragen.

Mehr als fünf Jahre hat die AG für dieses Ziel gekämpft. Der Gehweg in der Frickestraße zwischen Schede- und Martinistraße vor den Wohnstiften: Bäume und zwischen ihnen Gehwegparker engen den Fußweg ein, auf eine Breite von lediglich 1,5 Meter. Beim ‚nachlässigen’ Gehwegparken vieler Autofahrer wird der Fußweg noch schmaler. Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen werden erheblich behindert.


MARTINIerLEBEN legte im Oktober 2010 ein Gutachten vor, in dem u.a. bereits auf die ‚Konflikte Frickestraße’ hingewiesen wurde. In mehreren Ortsbesichtigungen demonstrierte die AG Barrierefrei Politikern und Verwaltungskräften, dass selbst Personen ohne Handicap kaum neben den auf dem Gehweg parkenden Autos aneinander vorbei gehen können, ohne sich zu berühren. Noch schwieriger wird es für Menschen mit Rollator, und gar keine Chance haben einander begegnende Rollstuhlfahrer.

Während Mitglieder der AG (digitale) Fachliteratur wälzten, stießen sie auf Aussagen des Forschungsinformationssystems zu Bürgersteigen. Die vom Verkehrsministerium geförderten Wissenschaftler empfehlen bei Neubauten eine Gehwegbreite von mindestens 2,50 Metern - für Personen ohne Behinderung, wohlgemerkt. Für bestehende Gehwege gilt in Hamburg eine Mindestbreite von 1,50 Metern. Hilfreich war auch der Blick in die Verwaltungsvorschrift zur Straßen-Verkehrs-Ordnung. Zum Gehwegparken heißt es da: „Das Parken auf Gehwegen darf nur zugelassen werden, wenn genügend Platz für den unbehinderten Verkehr von Fußgängern gegebenenfalls mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrern auch im Begegnungsverkehr bleibt …“

Mit diesen Argumenten gut vorbereitet gingen Heidemarie und Wolfgang in die Regionalausschusssitzung. Wolfgang Hinsch: „Wir hoffen nun, dass Bezirksamt und Polizei den gemeinsamen Beschluss auch umsetzen.“ Eng wird es bei dieser Lösung natürlich trotzdem beim Passieren der Straßenbäume, die die Frickestraße alle paar Meter zieren. Jedenfalls noch.

Bilder: Wolfgang Hinsch und Hans Loose
Text: Hans Loose